Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554556-2554564--00364-2556146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 erst an jenem großen Tage bekannt werden, wo alles Geheime des menschlichen Herzens geoffenbaret und jedes Menschen Werk geprüft werden wird. Es sind indeß Beispiele vorhanden, die bereits einigermaßen zeigen, daß unsere schwachen Bemühungen in dem Herrn nicht vergeblich waren. Was die Zöglinge selbst betrifft, so freue ich mich, sagen zu können, daß ihr Betragen im Allgemeinen sehr befriedigend ist. Mit denen, die über ein halbes Zahr im Znstitut sind, ist eine große Veränderung vorgegangen, und von den meisten hoffe ich, daß ihre Ueberzeugung von der Wahrheit eine Bekehrung des Herzens geworden ist, so daß sie ihren ungläubigen Brüdern nützlich werden können. Auf diese Weise ist die Anstalt gleichsam in ein Missionshaus umgeschaffen worden, wirkend für das Reich Gottes, was ich auch.von vornherein beabsichtigte. Bon diesem Znstitut aus verbreitet sich die Wahrheit durch das ganze Land. Die Zöglinge desselben lernen nicht nur Bücher binden und drucken, sondern sie werden selbst lebendige Briefe Christi, gelesen und gekannt von allen Juden in Polen, was auf Biele einen so gewaltigen Eindruck macht, daß sie sich bekehren zum Gehorsam der Wahrheit, die in Zesu Christo ist. Auch ist bei unserm hebräischen Gottesdienste für die Juden am Sonnabend die Gegenwart und Hülfe der Zöglinge sehr nützlich. Die Juden, die ihn in bedeutender Anzahl besuchen, betragen sich anständig und ehrerbietig, nur daß sie zuweilen den Redner durch eine Frage unterbrechen, oder eine nähere Erklärung dessen fordern, was gesagt worden ist. Dies ist indessen nichts Ungewöhnliches bei einer vroseü (Predigt) für Juden in Polen; cs giebt vielmehr dem Ganzen, wenn gehörig geleitet, eine interessante Belebung. Die Unterredungen mit den Juden, welche nach einer solchen Predigt gepflogen werden und an denen die Zöglinge Theil nehmen, sind von großer Wichtigkeit und sehr interessant. Dasselbe ist auch der Fall an andern Wochentagen, namentlich seitdem wir eine hebräische Kapelle in der Anstalt eingerichtet haben. Meine Kräfte würden oft nicht hinreichen, wenn ich nicht die Hülfe der Zöglinge bei solcher Gelegenheit hätte, im Fall keiner meiner