Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1846)
- Date
- 1846-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-110 ruhen und nur bei Unkundigen noch Glauben finden können. Indessen, wenn man einwendet, der Messias könne darum nicht geweint sein, weil er nicht als eine zukünftige Person geweiffagt, sondern als eine gegenwärtige besprochen werde, und weil in Cap. 53 das Leiden schon als rin vergangenes geschildert werde, während nur die Verherrlichung noch bevorstehe, so erscheint dies gewichtiger. Allein man hat die prophetische Gegenwart von der wirklichen wohl zu trennen*), da§, was der Seher mit dem geöffneten inner« Auge als Gegenwart schaut, von dem, was seinem leiblichen Auge gegenwärtig ist, wohl zu unterscheiden. Unser Verfasser steht, selbst sein rxilisches Zeitalter zugegeben, meist auf diesem prophetischen Standpunkte. Oder ist cs nickt ideelle Gegen-' wart, in der er die noch bevorstehende Rückkehr aus dem Exil als ringetreten schaut? (Cap. 48, 20. 21.) Ist cs nicht rin prophetischer Standpunkt, auf dem er die noch nicht erfolgte Zerstörung Babels als vergangen sicht? Wie kommt es denn, daß, wenn jener Wechsel der Zeilen in Cap. 53 von solchem Gewicht gegen den Messias ist, an allen Stellen, welche die glänzenden Siege des Cyrus schon voraussctzen sollen, in der Regel nur futur» gebraucht werden (Cap. 41, 2. 3. 45, >—7. 46, 11), welche die wenigen eingestrcuten prneleritn nach sich bestimmen? Es hieße die Eigenthümlichkeit aller Propheten ganz verkennen, wenn man nicht zugeben wollte, daß die Seher in lebendigster Anschauung die Zukunft als Gegenwart schauten; und stand so dem Propheten die niedere Befreiung aus dem Exil vor Augen, konnte es die höhere aus den Banden der Sünde und des Todes nicht auch? Und wenn ihm im Cap. 53 die zukünftige Erniedrigung des Knechtes Gottes als vergangen erscheint, so ist das wohl ersichtlich eine nicht einmal streng durchgeführte prophetische Anschauung, welche bei allen Propheten ihre Analogien hat. Oder ist es da- Dann braucht man sich nicht erst darauf zu berufen, daß Cap. 42 das einzige V. 1, weil es inmitten lauter lulura steht, sicherlich als pract propliet. zu fassen ist, und in Cap. 53 in der Beschreibung der Erniedrigung eben so gut t'utura mit unterlaufen, wie in der der Erhöhung praoterita.