Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1846)
- Date
- 1846-06-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Israelitm. (Berlin bei L. Oehmigke 1848.) Ist es schon an sich wünschenswerth, daß die Gegenwart von dem Notiz nimmt, was die Vergangenheit Tüchtiges und Großes geleistet hat, und namwtlich in religiöser Beziehung, so ist es von besonderer Wichtigkeit das Andenken an einen Mann aufzufrischen,derwohl ein Jahrtausend lang^ unübertroffen dagestanden hat. Wir müssen gestehen, daß der Herr Uebers., indem er grade diese Schrift wählte, unfern besondern Dank verdient. „Was ist nichtso sagt er selbst p. IV., in neuester Zeit alles vom Geist und Buchstaben geschrieben, gesprochen und gestritten worden! Fast ist der Titel dieses Augustinischen Büchleins zum Losungswort der streitenden Parteien geworden, aber die damit bezeichneten Gegensätze haben durch die aus dem Feuer des Kampfes darauf gefallenen Schlaglichter nicht immer an gleichmäßiger Klarheit gewonnen. Sollte es nun nicht viele Gemüther ansprechcn, über dieses Streitwort die Stimme eines Mannes zu vernehmen, der nach Ort und Zeit — das Büchlein ist vor 1438 Jahren in Afrika aufgesetzt -—' so weit außerhalb der gegenwärtigen Zustände und Persönlichkeiten steht? Und was noch mehr ist, die Stimme eines Mannes, der mit natürlichen Gaben vorzüglich ausgestattet, in damaligen Künsten und Wissenschaften wohl unterrichtet, bei steter Achtung vor dem Christenthnm und inniger Liebe zu seiner christlichen Mutter doch in Lebensweise und Weltansicht ein Heide blieb bis zu seinem 31sten Jahre, nach schweren Kämpfen seinen Lüsten und Einbildungen entsagte und sich nach zwei Jahren ernster Prüfung taufm ließ, dann von seinem Vaterlande aus durch eine lange Reihe tief und scharf gedachter Schriftwerke an die Spitze der abendländischen Vertheidiger christl. Wahrheit trat und endlich nach einem Gott geweihten Leben als Bischof von Hippo Regius in Rumidien im Jahre 430 starb. Eines solchen Mannes Erklärung über den tödtenden Buchstaben und den lebendig machenden Geist zu hören, muß jedem sehr wichtig sein. Es kommt aber dabei auch das Verhältniß des A. T. zum R. T., ihre Einheit und ihr Unterschied, weitlänstig zur Sprache, und zwar gründlicher als gewöhnlich heut zu Tage. Deshalb wollte ich auf dem Titel auch Israeliten zur Lectüre einladen." In dieser letztem Rücksicht möchten wir nun das Buch noch insbesondere empfohlen haben. Der Unterschied zwischen dem alttestamentlichen Werkgesetze und dem neutestamentlichen Glaubensgesetze, so daß jenes tödtender Buchstabe, dieses lebendig machender Geist heißen kann, ist mit solcher Klarheit, so verständlich erörtert, daß jedes nach seiner Erkenntniß aufrichtig forschende Gcmüth hier finden wird, was es sucht. Doch man muß die Ausführung selbst lesen, wie der Inhalt beider Gottes Wille ist, beide Werke der Liebe verlangen, wie jedoch jenes Gerechtigkeit fordert, dieses sie giebt, jenes von außen droht, dieses von innen heiligt; und wie dies alles den längst vorher gegebenen Weissagungen der Propheten gemäß sei; — wir würden, wollten wir den Versuch machen, einen Auszug zu liefern, zu oft versucht werden, mit Augustins kräftigen Worten , zu reden. Darum verweifm wir den Leser lieber an diesen selbst.