Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1846)
- Date
- 1846-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2554541-2554556-2554562--00327-2556107- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
88 spricht sich darüber also aus: „Ein bemerkenswerches Moment im religiösen Leben bietet der verwahrloste Zustand der Bibel. Die in ungestörter Suprematie alleinherrschende »utboriseä Version (autorisirte Uebersttzung) der Hochkirchc, ist in-jedem Hause, und erweckt weit häufiger als in Deutschland Borliebe zu religiösen Zwistigkeiten, oder bringt Abfall von der ererbten Religion zu Wege. Denn bekanntlich wetteifert die anglikanische Uebersttzung mit der stammverwandten Vulgate, und trägt vor jedem Kapitel ihre stereotypen Kirchenbezüge zur Schau; überdies ist sie stets mit dem Evangelium zusammengedruckt und zusammengrbundrn. Wahrend daher in Deutschland die Tauflust eine ausnahmslose Folge von Würden- und Emancipationsgicr ist, erscheint sie hier zu Lande bei Individuen und Familien oft als Nachwirkung der entfremdeten Bibeldeutung." Diese Worte bedürfen keines Commcntars; sie sprechen es klar aus, daß das Bibellescn entweder Vorliebe zu religiösen Streitigkeiten erwecke, oder gar Abfall von der ererbten Religion, das heißt Uebertritt zum Christenthume, zu Wege bringe. Der Berichterstatter findet nun freilich den Grund dieser unläugbaren Thatsache nicht in der lebendigen Kraft des Wortes Gottes, sondern in einer „entfremdeten Bibeldcutung", in den Inhaltsverzeichnissen über den Kapiteln und dem beigefügten Evangelium oder dem Neuen Testamente zu dem Alten, und schämt sich dabei nicht, in einer höchst verächtlichen und herabwürdigenden Weist von der englischen Uebbrstßung der Bibel zu sprechen. Allein damit trägt er nur seinen Unglauben zur Schau, setzt das Alte Testament gegen seinen Willen tief unter das Neue, ja würdiget es unter Menschenwort herab und zeigt sich als einen Menschen ohne alle Wahrheitsliebe. Denn hätte er den Glauben, daß die Bibel — wir meinen hier zunächst nur das Alte Testament — nicht Menschensondern Gottes Wort ist, dann würde er auch diesem Worte die Kraft zugestehen müssen, daß es nicht Vorliebe zum Streite, sondern zum Frieden erwecke., und nicht Abfall von der wahren Religion zu Wege bringe, sondern zu derselben hinführe. Vermag nun aber seiner Meinung nach das mit dem A. T. zusammen gebundene