Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1846)
- Date
- 1846-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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30 an den Wänden hängen, nach welchen der eigentliche Gründer dieser fanatischen Secte, Rabbi Israel Baal Schem-tob, dort so ziemlich als der Schutzheilige der Juden dargcstellt und verehrt wird. Daraus kann man zur Genüge sehen, welch' ein finsterer Aberglauben noch unter den polnischen Zuden herrscht.! Nichtsdestoweniger, oder auch eben deswegen, gewinnt ein Streben nach Besserm unter ihnen immer mehr Raum und die Anhänger der Aufklärung suchen aus jeder wichtigen Zeitcrscheinung, die ihrem Streben günstig ist, vorsichtig Nutzen zu ziehen. So kann es denn auch nicht fehlen, daß die gegenwärtigen reformatorischen Bewegungen in Deutschland auf sie tiefen Eindruck machen, weswegen es aber auch um so wünschensweriher wäre, daß sie auf solidem Grunde rührten. Nach dem zu urtheilen, was sich an der Grenze deutscher Bildung und jüdisch-polnischer Verfinsterung bereits wahrnehmen läßt, dürfte der Eindruck jener Bewegung hier etwa folgende Wirkung haben. — Die Chasidäer, für welche es außer ihrer Secte gar keine wahre Gotteserkenntniß und Religion gicbt, und welche die religiösen Bewegungen der neuern Zeit gar nicht zu begreifen und zu beurthcilen im Stande sind, werden die Sache wohl noch eine Weile stillschweigend mit ansehen, dann aber sicher mit andern Rabbinisten verdammen. — Die Thalmudisten, mit den polnischen Rabbinern an ihrer Spitze, die wegen ihrer ganzen Stellung das größte Zntereffe haben, die Satzungen des Thalmuds unverkürzt aufrecht zu erhalten, werden, wie schon jetzt theilweise geschieht, sich verdammend über die Reform und deren Anhänger aussprechen und sie zu unterdrücken suche». — Die Aufgeklärten endlich, welche sich bereits thatsächlich von den thalmudischen Satzungen losgesagt haben, werden der Sache möglichstes Gedeihen wünschen und sie in der Stille auch möglichst zu befördern suchen, selbst wenn sie sich öffentlich gegen dieselbe aussprechen. — Gott aber verleihe dem ganzen Israel Erkenntniß des Heils! Denn daß die Zeit großer Umwälzungen auch im Zudenthume herannaht, ist nach allem, was sich ereignet, unverkennbar und Zeder, der ein Herz für Israel hat, wird wünschen, daß alles zu seinem Heile gereiche.