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Dibre Emeth · 1845-05-01 · Heft 5 (Mai 1845) · page 16

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Journal
Dibre Emeth
Volume
1 (1845)
Issue
Heft 5 (Mai 1845)
Date
1845-05-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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80 Missionare schachern um Judenseelen und sind darüber entrüstet und zwar mit Recht, wenn es wirklich so ist, wie Sie sagen. Aber liegt denn nicht in dieser Anklage der Missionare zugleich eine schreckliche Erniedrigung Ihres eigenen Volkes? Wenn die Missionare um Judenseelen schachern, so müssen doch solche niedrige Seelen unter den Juden sein, welche ihren Glauben , sei es um viel oder wenig, verschachern. Und die Zahl, die dies ihrer Meinung nach thut, ist wahrlich nicht gering, wie es Ihnen wohl bekannt sein wird. Sie meinen auch, die Prediger Pommerns seien höhern Orts angewiesen worden, mir ihre Kirchen zu öffnen, um an den Sabbathnachmittagen den neugierigen Juden die Langeweile zu vertreiben. Sie batten also wirklich ihre Glaubensgenossen für so schlecht, daß sie sich mit dem Heiligsten einer andern Glaubensgemeinschaft „die lange Weile vertreiben" «nd so ein Gespött daraus machen? Das heißt doch wahrlich nicht, seine Glaubensgenossen vertheidigen, sondern herabwürdigen, und wenn das Juden gegen Juden thun, wie will man es den Christen verargen, wenn sie dann ein Gleiches thun? Und wenn das alte Sprichwort wahr ist: „Was ich nicht treib und thu, trau ich auch keinem andern zu", so wird man wohl mit Recht schließen können, daß Menschen, welche überall nur Umtriebe wittern und die schlechtesten und nichtswürdigsten Absichten sehen, selbst in solche Umtriebe cingeweiht sind und solche Absichten haben. Doch wir wollen gern glauben, daß dies Sprüchwort nicht immer wahr und auch nicht auf unser» Gegner anwendbar ist. Zum Schluffe verweist mich mein Gegner noch auf eine Note aus einem Midrasch, um mich damit als einen „unberufenen Eindringling in die heiligsten Angelegenheiten der Juden" zurückzuweisen. Der Sinn dieser Note ist kurz der: So lange nicht Einigkeit im Glauben bei einer Religionsgemeinschaft ist, lasse sie andere Neligionsverwandte in Frieden. Es gehört wirklich viel Ruhe und sehr kaltes Blut dazu, um bei der Sache zu bleiben und nicht ebenfalls persönlich und sarkastisch zu werden, wenn man mit solchen Waffen angegriffen wird. Ganz abgesehen davon, daß eine Schriftstelle (2. Mos. 23 , 1.) zum Beweise der Wahrheit dieses Ausspruchs angeführt wird, welche von etwas ganz auderm handelt und noch dazu im Midrasch verfälscht ist, indem das Wörtchen „nicht" weggelaffen ist, möchten wir doch gerne wissen, wie und auf welche Weise das Judenthum, das nach der Meinung so vieler neuern Juden, zu denen gewiß auch mein Gegner gehört, einst die Wellreligion werden soll, diese Mission erfüllen werde? Denn daß die Juden nun bald einig werden sollten im Glauben und mit dieser Einigkeit auch die Welt beglücken, dazu find wenigstens jetzt keine Aussichten vorhanden. Doch dem sei wie ihm wolle. Wehe aber euch Aposteln und allen, die ihr euch jemals unterfangen habt, ja euer Leben dafür htngegeben habt, die Heiden mit der beseligenden Erkenntnis; des einen wahren Gottes zu beglücken, ohne zuvor unter cuern Glaubensgenossen Einigkeit zu stiften. Wie werdet ihr euch doch vor Gott verantworien können, wenn ihr von dem Midrasch und dazu gewiß auch von unserm Gegner eines solchen Verbrechens werdet angeklagt werden! Wir glauben, unsere Leser werden uns recht geben, daß man sich einen Kampf mit Gegnern, welche sich solche Blößen geben, die Waffen freiwillig ihrer Gegenpartei ausliefern oder gar gegen sich selbst kehren, wohl gefallen lassen kann. Man könnte dabei die Hände ganz ruhig in den Schooß legen, und zuschen, wie sie sich selbst ausreiben, wenn nicht die Unerfahrnen durch die Luftstreiche, die sie machen, getäuscht würden; und nur ihretrpegen allein hielten wir eine Erwiederung für nöthig. — Dieß Blatt erscheint monatlich in einem Bogen und kostet der Jahrgang 15 Sgr. Bestellungen nehmen, außer dem Herausgeber selbst, alle Buchhandlungen an. Ge-ruSt unin Commisston bei Trowißsch und Sohn in Frankfurt a. d, O.

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