Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Wie die Gründung des evangelischen Bisihums in Jerusalem eine weltbekannte Thatsache ist, eben so wenig dürste es bekannt sein, in welcher Spruche der Gottesdienst, und namentlich der liturgische, in der in das heilige Land verpflanzten evangelischen Kirche gehalten wird, und vielleicht ist es gar Vielen nicht einmal eingefallen, darnach zu fragen. Wir können darüber bestimmte Auskunft geben , und wenn dieß denn nun hiermit geschieht, so glauben wir den meisten Lesern dieser Blätter damit einen Gefallen zu thun. Was den liturgischen Gottesdienst betrifft, so müssen wir für diejenigen, welche mit dem Cultus der englischen Episcopalkirche nicht bekannt sind, die Bemerkung vorausschicken, daß wenigstens in jeder Kathedrale täglich zwei Mal, nämlich des Morgens und Abends, ein solcher Gottesdienst stattfindet. Zn Jerusalem nun wird dieser liturgische Gottesdienst des Morgens in hebräischer und des Abends in englischer Sprache gehalten; die heiligen Sacramente iperden in denselben Sprachen verwaltet., für diejenigen aber, welche diese Sprachen nicht verstehen, in ihrer Muttersprache. Gepredigt wird in verschiedenen Sprachen, selbst in der hebräischen— wenigstens werden in dieser Ansprachen gehalten — am meisten jedoch in der englischen und deutschen. Im Juni 1843 wurde auch in Safet mit einem täglichen hebräischen Gottesdienste der Anfang gemacht, und in Smyrna findet jeden Sonnabend ein voller Gottesdienst mit Liturgie und Predigt statt, erstere wird in jüdisch-spanischer, letztere in italienischer Sprache gehalten. Daß man sich nun beim Gottesdienste im heiligen Lande der hebräischen Sprache als Gebetssprache bedient, wird man ganz natürlich finden, besonders deswegen, weil namentlich in Jerusalem bereits eine kleine Proselyten - Gemeinde besteht, die von Jugend auf gewohnt gewesen ist, in dieser Sprache zu beten, und die zum Theil auch keine andere Sprache so gut versteht, als gerade die hebräische; dann aber auch deswegen, um den Israeliten Gelegenheit zu geben, das evangelische Christenthum näher kennen zu lernen, und sich davon zu überzeugen, daß wir evangelische Christen Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Aber überraschen dürfte es vielleicht, daß auch in London täglich ein liturgischer Gottesdienst in hebräischer Sprache stattfindet. Er ist besonders für jüdische Proselyten und Juden bestimmt, damit erstere auch nach ihrem Uebertritte zum Christenthume noch Gelegenheit haben, in der heiligen Sprache ihre Gebete zu dem Gotte ihrer Väter empor zu schicken, die Juden aber die gottesdienstlichen Gebete der Christen kennen lernen mögen. Schreiber dieses hatte im Sommer 1843 Gelegenheit, diesem Gottesdienste mehrere Wochen fast täglich beizuwohnen, und er muß bekennen, daß es einen ganz eigentümlichen Eindruck auf ihn machte, eine ziemliche Anzahl von den Nachkommen Abrahams zu dem Gotte ihrer Väter im Namen Jesu beten zu hören, und selbst mit einstimmen zu können, in der Sprache, in welcher Gott zu den Propheten geredet, und in der David seine heiligen Psalmen gesungen hat. Diese Erscheinung nun, daß nämlich die Christen die hebräische Sprache selbst noch für die, aus dem Judenthume zu ihrem Glauben übergetretenen Proselyten, als Gebetssprache zu erhalten suchen, während das neuere Judenthum sie aus dem Gottesdienste der Synagoge zu verdrängen bemüht ist, muß ohne Zweifel als ein Zeichen der Zeit angesehen werden. Dieß Blatt erscheint monatlich in einem Bogen und kostet der Jahrgang 15 Sgr. Bestellungen nehmen, außer dem Herausgeber selbst, alle Buchhandlungen an. Grdruitt und in Commission dei Trowitzsch und Sohn in Frankfurt a. d. O. .