Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 4)
- Belongs to
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96 einen mächtigen Mitträger in Gott. Tun wir das unsrige, Gott wird das Seine tun. Ps. 37, 5. Am Tage hatte der Jude zu kämpfen mit der Sorge ums Brot für Weib und Kind, mit den Feinden seiner Existenz, mit dem Hohn und der Verachtung, mit den böswilligen Plackereien, die man ihm allerorts in seinen, ohnehin dornenvollen Lebensweg streute. Wie aber der Tag zur Rüste ging, rief die sinkende Sonne ihn heim, heim zu seinen Lieben, heim zu seinen Brüdern, zu seinen Büchern, ©einen Bet- und Lehrhäusern, zum Verkehr mit seinem Gott, ©einen Geist- und Gesinnungsgenossen der Gegenwart, und, meist in Gemeinschaft mit ihnen, mit den großen Geistern seiner nationalen Vergangenheit, aus deren Schriften ihm Verständnis und Erkenntnis, Trost und Mut, Begeisterung und Kraft für seine gottgewiesene Lebensbahn quoll — mit dem Quersack legte der wandernde Hausierer auch die Bürde des geplagten Lebens ab, atmete als Mensch, als freier Mensch vor ©einem ״freimachenden“ Gott auf — Ps. 88, 2. In Knechtesgestalt, unter welcher es inmitten der Völker wandelt, findet es Verachtung und Hohn, und die Verachtung war der bitterste Tropfen in dem Kelch ©eines Leidens und forderte zugleich das Aufgebot aller geistigen und sittlichen Kraft, ihr gegenüber die Selbstachtung zu bewahren. — Umso mehr mußte es sieh in die ganze Tiefe des ihm anvertrauten geistigen Gottesschatzes vertiefen, sich für dessen Erkenntnis und Ausbau im Leben geistige Begabung und sittliche Kraft von Gott erbitten, und in deren Gewährung, Verwendung und Betätigung das beglückende Bewußtsein der Gottesgegenwart in ©einer Niedrigkeit und eine heitere Beseligung finden, die ihm alles; ersetzte, was ihm die Verachtung der Menschen versagte. Ps. 123, 3. Gott hat immer Großes an uns getan, indem wir unter der ganzen Wucht der Leiden heiter geblieben sind. — Auch als wir nicht zu lachen, nicht zu jubeln hatten, heiter waren wir, haben •die Frische unseres Geistes und unseres Herzens bewahrt, und haben mitten im äußeren Jammer ein stilles Glück, eine innere Zufriedenheit genossen, die nur die unsichtbare Gottesnähe bewirkte — Ps. 126, 3. Jüdisches Volk hatte den Mut und die sittliche Kraft, mit ungebeugtem Selbstbewußtsein aufrecht zu bleiben und trotz sei-