Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 23)
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109 Notwendigkeit erschließt. Denn dann wäre Judesein keine sittliehe Aufgabe. Alle Sittlichkeit rechnet mit der Möglichkeit des Andersseins, — damit hat Gott gerechnet, seitdem er Menschen in seine Schöpfung hineingestellt hat. Und deshalb rechnet der Chaurew mit ihrem fragenden ״Warum4* und ״Wozu44; denn so selbstverständlich es ist, daß das gesunde Kind allen Erscheinungen seiner Umwelt fragend und staunend gegenübersteht, so muß auch das jüdische Leben mit seinen gewaltigen Forderungen, hineingestellt in eine ganz anders geartete Umwelt, seine ganze Verwunderung erregen und seine geistigen und seelischen Kräfte aufs tiefste bewegen. — Aber es stünde ihm traurig tun die jüdische Zukunft, wenn eine Jugend, statt bewußt und stark und erfüllt von stolzer Freudigkeit die sturmerprobte Fahne des gottgewollten jüdischen Lebensberufs aufzugreifen, mit innerlich geknicktem Willen und erstorbenem Seelenfeuer, nur noch umweht vom Vergißmeinnicht- Duft verklungener Kindheitstage und pietätvoller Erinnerungen, lahm und mit allen Zeichen heilloser Ohnmacht ihr Leben auf den ausgetretenen Geleisen des ihr nun einmal schicksalhaft auferlegten jüdischen Lebenswegs hinschleppen sollte. — Davor will der Chaurew seine jüdische Jugend bewahren, das bestimmt den von ihm geforderten jüdischen Erziehungsweg, wie er ihn im Chaurew gewiesen und in seiner köstlichsten Schöpfung, in unserer Schule, zu verwirklichen bemüht war. Er bringt der denkenden jüdischen Jugend Vertrauen entgegen, — denn er vertraut der Macht des göttlichen Sinaiwortes. An eine Jugend wendet er sich, deren Seele, durch Schule und Erziehung, den geheimnisvoll drängenden Rätseln sich erschlossen hat, die Natur und Geschichte und das eigene Leben in überwältigender Fülle ihr aufgeben und unter denen sie erliegen, müßte, wenn sie nicht mit dem Psalmensänger mit heiligen! Schauern, tief aufhorchend aus ihnen die allmächtige Sprache der schöpferischen, zielsetzenden Gottheit vernehmen dürfte. Das Hallei des 19. Psalms auf die Thauro durchbraust die Blätter des Chaurew, in das seine jüdische Jugend einstimmen soll, die den Gedanken Gott — Gottes Schöpfung — selber ein Glied dieser Gottesschöpfung nicht soll denken können, ohne fortan die Deutung ihres Lebens von der liebenden, führenden; Vaterstimme Gottes zu ersehnen. * * ★