Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Belongs to
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90 Von dem pädagogischen Werte des Judentums. Von Rabbiner Hirsch זצ״ל. (Schluß). Nicht einmal die Huuderttausende, die Millionen von Jahren, mit welchen die geologische Erdentwickelungstbeorie so freigebig ist, schreckten das Judentum; wären sie selbst mehr als hypothetische Doctrin, litten sie auch nicht an der unerwiesenen Voraus- Setzung, daß bei Entstehung der Erde nur dieselben Kräfte und in derselben Mächtigkeit wirksam gewesen, die wir und wie wir sie in der bestehenden Erdwelt wirkend sehen. Die Weisen des Judentums, die Rabbinen, sprechen auch (Midrasch Rabbah 9, Chagiga 16, a.) von der jetzigen Erdschöpfung vorangegangenen und untergegangenen Welten, die der Schöpfer werden und untergehen ließ, bis er die Erde in ihrer jetzigen Gestaltung und Ordnung hervorgerufen. Allein sie haben nie die Annahme oder Verneinung solcher und ähnlicher Meinungen zu Glaubenssätzen erhoben. Sie ließen jede Theorie auf sich beruhen, die nur die Grundwahrheit: ״Aller Anfang von Gott“ unangetastet ließ. Ja, sie waren überhaupt den Fragen: was war, was wird sein? als einer die Grenzen des dem Menschen Erkennbaren verkennenden und für seine sittliche Lebensbestimmung mindestens müßigen Spekulation abhold. Das Buch zur Orientierung der Menschheit auf der jetzigen Erde war ihnen das Buch der Bücher, sie dort Gott als den ewigen Schöpfer und Herrn erkennen und durch treue Erfüllung seines Menschengesetzes verehren zu lehren seine Bestimmung; die Gewinnung dieser Erkenntnis und aller im Dienste eines solchen treuen Pflichtlebens zu verwertenden Kenntnisse, meinten sie, sei umfassend genug, um neben dem Leben der Tatenpflicht die geistige Tätigkeit eines Menschen auszufüllen; was darüber hinausliegt, war für sie nicht da, und — man verzeihe dem Juden die Frage — sollte es denn im Grunde auch heute noch für uns mehr vorhanden sein? — Wie sehr die Lehren des Judentums und die von ihm anzustrebenden Zwecke sich im Einklänge befinden mit einer hingebenden Pflege des naturwissenschaftlichen Momentes in der Aufgabe der Jugendbildung, dürfte das bisherige nicht ganz unerwiesen gelassen haben,