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Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 22 (sequence 24)
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als Plattform köhnfter Träume auf andere Träume ganz andere Bahnen zog. Dem folite man klar ins Auge fehen; denn es ift wahrlich fellfam. Das Umlernen wird gleichfalls im Namen des Primats der Thora verlangt. Auch das folite man klar erkennen. Die reinliche Scheidung, welche die Orthodoxie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu vollziehen fuchte, hatte zwei Etappen, die der Selbfterhaltung und die der Erziehung, beide in doppeltem Sinn, gegenüber dem Anfturm der Reform und dem der Kultur der Umwelt. Die Reform hatte aus der Emanzipation die ganz klare Folge gezogen, welche in Samuel I, Vlll. 20 gekennzeichnet ift. Denn auch die Aufklärungsperiode hatte eigentlich die Religion nur bekämpft, foweit fie Richtlinie zu fein beanfpruchte, und zwar weniger im individuellen Leben als in den fozialen Beziehungen der Menfchheit. Im Engeren, das heißt hier im Leben der Judenheit, war der Ausdruck der fozialen Beziehungen die Gemeinde, und diefe zu entgelten, mußte das Beftreben der Reform fein. In diefem Sinne war der ״Austritt" eine foziale Tat, die fich wohl hütete, (ich individuell färben zu laffen; man vergleiche Hirfchs Scheidung zwifchen Minuth und Minim. Wir geliehen gerne zu, daß wir nun wieder einmal am Anfang flehen; auf den Schein der individuellen Emanzipation folgte der Schein der nationalen Emanzipation. Nicht Religion, sondern Konfeffion wurde Privatfache. Die Ahnen haften es leichter, denn die Reform der Gemeinde hatte Achtbaren Ausdruck, der Vorftoß gegen die Thora war klar. Unterfcheidungen in welianfchaulicher Sphäre find fchwerer zu erfaffen. Es ift alfo nicht fo leicht zu lagen, hier ift das Primat der Thora geleugnet, hier ift eine Scheidewand. Das bittere, lehr bittere Problem ift nur, daß allem Anfchein nach wir die kommende Generation nicht fo zu erziehen vermochten, daß wir ihr zumuten dürften, ein Nebeneinander von Thoramotiven und anderen abzulehnen. Aber an uns dumme Golamenfchen ergeht die Notwendigkeit, daß w׳ir aufs neue zu fcheiden lernen zwifchen dem durch Gemeindeeinrichtungen oder durch Weltanschauungen alterierten Primat der Thora. Manche, die höchftbegabten, werden vielleicht dazu imftande fein. Dem größeren Reft der weniger Begabten, was bleibt dem anders übrig, als warnend den •Finger zu erheben. Nicht etwa um fpäter zu fagen, ich habe es ja gleich gefagt, obwohl auch der Prophet Jeremia das öfters wiederholte, fondern nur um die Gola zu retten, indem wir an ihre Befcheidenheit glauben. P. K.

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