Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 300 (sequence 46)
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300 Die fechs Landesprovinzen wählten ihn, der gegen fie manchmal lehr fireng auftrat, zum Oberlandesrabbiner für Lebzeiten, ein Zeichen der Wertfchätzung, das kaum überboten werden kann. Audi haben die Ehrungen von außen feine Pofition in Nikolsburg gefertigt, fo befonders die Berufungen an die Rabbinate von Brett- Litowsk und der Kurpfalz, zu welch letzterem auch feine Heimatgemeinde Worms gehörte. Wir haben oben von den Reifen gesprochen, die R. David O. häufig ins Ausland geführt haben. Diefe Reifen haben manchmal auch dem Ankauf von ספרים gegolten. Der große Gelehrte ift von feiner früheften Jugend ein großer Bücherfreund gewefen; eine Neigung, die ihm zeitlebens treu geblieben ift. Loewenftein in der Biographie des R. David Oppenheim (unter dem Namen תהלה לדוד in Kauffmanns Gedenkbuch Breslau 1900) erzählt, daß er, ein Knabe noch, den Synagogenboden in Worms durchftöbert und dort fo manches wertvolle Buch gefunden hätte. Diefe Vorliebe für ספרים ift aber nicht wahllos gewefen, fondern ließ ihn immer nur das Wertvolle fuchen. Er verwandte viel Zeit und Geld, machte anftrengende Reifen, um feine Bibliothek mit wertvollen Büchern zu bereichern. Er hatte überall Vertrauensmänner, die die Einkäufe für ihn beforgten, ja er ging fo weit, daß er überallhin gedruckte Defideratenverzeichniffe verfandte, Es ift daher nicht zu verwundern, daß es ihm bei diefem Eifer und bei dem Aufwand an Arbeit und Mitteln gelungen ift, eine Bücherfammlung anzulegen, die als jüdifche Privatbibliothek einzig war. Er hat (ich hierdurch um die jüdifche Wiffenfchaft und Bücherkunde befonders verdient gemacht, da durch ihn manche kleinere Schriften, die keine Verbreitung gefunden hatten, in einem einzigen Exemplar erhalten geblieben find. Er hat ferner durch feine Munifizenz die Drucklegung fo manchen Werkes ermöglicht, wofür ihm auch in dielen ספרים der Dank der Verfaffer ausgefprochen wird. Als ein befonders tragifches Schickfal ist es zu verzeichnen, daß R. D. Oppenheim keinen Genuß von feiner Bücherfammlung hatte. In den öfterreichifchen Landen herrfchte damals die ftrengfte Zenfur, die fich auch auf die hebräifchen Druckwerke erftreckte. R. David O. wagte es daher nicht, feine Bücher nach feinem Wirkungsorie zu verbringen, aus der Befürchtung, daß fie beschlagnahmt werden könnten, eine Befürchtung, die ficher nicht unbegründet gewefen ift. In vielen Kiften verpackt lagerten die Bücher in Hannover, bis fie lange nach feinem Ableben an die Univerfitätsbibliothek in Oxford verkauft worden find, Dort liegen die reichen Schätze völlig un-