Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 289 (sequence 35)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2551369-2551412-2551417--2354-2553878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
259 Der Poel Hacharedi. Von Dr. Isaac Breuer. I. Tatsachen. Gewisse jüdische Zeitungen brachten die Nachricht, daß sich in Erez Jisrael die agudistische und die misrachistischen Poalim־ Organisationen geeinigt hätten. Manche von ihnen wußten noch hinzuzufügen, daß in den beteiligten Kreisen große ״Begeisterung“ herrsche. Beides ist unzutreffend. Eine Einigung ist nicht erfolgt, und von Begeisterung ist keine Rede. Wie aber jede Unwahrheit meistens einen Wahrheitskern enthält, den sie umwuchert und umschlingt, so liegen in der Tat der ersten Nachricht gewisse Verhandlungen zugrunde, die zur Zeit noch schweben. Die Begeisterung allerdings ist frei erfunden. Ich traf die agudistische Poalim-Organisation in einem sehr schlechten Zustand an. Ihre geistige wie ihre wirtschaftliche Situation gab zu schlimmen Befürchtungen Anlaß. Von der Gola in völlig unzureichendem Maße unterstützt, den Sorgen des Alltags hingegeben und ohne Ausblick in eine bessere Zukunft, war der seelische Schwung der Organisation durchaus abhanden gekommen, die Idee übte keine einigende Kraft mehr aus, und statt dessen machte sich vielfach der Geist der Zwietracht, der Selbstzerfleischung, der Mutlosigkeit, zuweilen selbst der Verzweiflung bemerkbar. Es war klar, daß hier Entscheidendes geschehen mußte, wenn ein völliger Zusammenbruch vermieden werden sollte. Die Histadruth Haowdim bedeutet dem gegenüber eine ungeheure wirtschaftliche Macht. Sie kann aber keineswegs etwa nur als eine neutrale Gewerkschaft angesehen werden. Sie stellt vielmehr auch ein Erziehungswerk dar, dem ein großer Teil der Schuld an der Entfremdung der Jugend zuzumessen ist. Die agudistische Poalim-Organisation sah sich vom ersten Tag an genötigt, ihre wesentliche Kraft der Arbeitsbeschaffung zu widmen. Das geistige Moment trat oft in den Hintergrund, und im Bewußtsein der Mitglieder wurde der Wert und die Bedeutung der Organisation einseitig an der wirtschaftlichen Leistung gemessen. Im Ganzen gesehen, war aber diese Leistung nicht bedeutend. Die zahlenmäßige Schwäche der Organisation ließ einen ernsthaften Kampf gegen die Histadruth oder selbst eine Ver-