Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 229 (sequence 39)
- Belongs to
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229 Erez jisroel״Briefe. von Dr. Isaac Breuer. I. Im Ijar 5696. Irgend etwas hat mich heute ganz besonders an Deutschland gemahnt. Vielleicht war es der schöne Regen, der heute unerwartet über Jeruseholajim niederging und in mir die Erinnerung an den deutschen Frühsommerregen weckte, mit seinen reichen Düften und lau fächelnden Winden. Ueberhaupt scheint Jeruseholajim diesesmal sich schwerer zu entschließen, seine tropischen Fähigkeiten zu entfalten. Noch sind die Tage auch deutscher Gewohnheit höchst annehmbar, die Spätnachmittage und die Abende zauberisch schön, noch ist auch alles grün. Von meinem Fenster schaue ich auf ein Feld mit tropfenbehangenen glitzernden Oelbäumen, auf sanft geschwungene Hügel und, weit darüber hinweg, auf die Berge Moabs, jenseits des Jarden. Zur Linken aber, zum Glück nicht verdeckt vom englisehen Sportshaus mit seinen aufdringlich hohen Türmen, winkt der Zionsberg, brütet das Geheimnis. — Bin ich nun hier zu Hause? Hierher habe ich mich gesehnt, seit ich fühlen und selbständig denken kann. Unfaßbar schön ging der Traum meiner Jugend in Erfüllung. Bin ich nun hier zu Hause? Ich bin es nicht, und ich werde es wohl niemals werden. Erez Jisroel bleibt das Land der Sehnsucht, auch wenn man gewürdigt ist, daselbst zu weilen. Die Sehnsucht in Erez Jisroel ist nur eine Steigerung der Sehnsucht nach Erez Jisroel. In Gottes Land ist man nicht zu Hause. In Gottes Land ist man zu Gase. Noch aber ist der Hausherr nicht erschienen. Noch brütet um Zion, qualvoll unergründlich, das tausendjährige Geheimnis. Es ist nicht leicht, ständiger Gast zu sein. Die Thefillin zogen wir tagsüber aus, weil wir die Kraft nicht mehr hatten, ihrer ständig bewußt zu bleiben. Woher die Kraft, sich Erez Jisroel unter die Füße zu legen und seiner nie zu vergessen? Aus der Erkenntnis eigener Unzulänglichkeit rührt es, daß manche Olim, namentlich in den ersten Zeiten, schwere seelische Erschütterungen erleben. Es sind nicht die schlechtesten. Gerade das Gefühl aber, hier nur Gast zu sein, erhält die