Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 74 (sequence 76)
- Belongs to
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Dem gegenüber steht die Hirsch'sche Gedankenwelt, wie sie in seinen herrlichen Werken dargestellt wird, wie eine majestätische Tempelhalle da, durchflutet von Sonnenlicht. Die Bedeutung dieses Schrifttums für eine geistige Regeneration des Judentums wird im Schlußkapitel des Neuen Kusari glänzend dargestellt, dem wir nur noch folgende Bemerkung hinzufügen wollen. Wenn auch naturgemäß der in חדרי התורה in den ״Kammern der Thora“ Bewanderte viel tiefer und gründlicher die Ideenwelt des Meisters begreifen und auf sich wirken lassen wird zur ״Durchgeistigungtf seiner im intensiven Studium von Thenach und Talmud gewonnenen Kenntnisse, sowie zur Vertiefung einer in den ewigen Lebensquellen des Judentums verwurzelten Weltanschauung, so hat dieses herrliche Schrifttum dennoch, wie kein anderes außer ihm, die außerordentliche Eignung, selbst den einfachen intelligenten יודע ספר, in erster Reihe aber ״Jißroels denkende Jünglinge und Jungfrauen“ tief, ganz tief in den Gedankenschacht des Judentums einzuführen. Die also Eingeführten werden dann aus diesem Schrifttume neben tiefster, ,rm-gemäßer, auf תורה sich gründender geschichtsphilosophischer Schau und ebensolcher Naturbetrachtung, wie auch einer mit beispiellosen Erfolgen gekrönten Erfassung der Mizwoth zugleich eine Weltanschauung gewinnen, die allen geistigen Gegenströmungen Widerstand wird leisten können und die auch im Sinne des Meisters — ״Des Wissens Blüte sei das Leben! “ — Leben erzeugen wird. Diese Quelle der Erneuerung steht weitesten Kreisen offen und erfordert allenfalls nicht solche mit Mühsal belasteten Umwege wie die von Dr. Munk empfohlene. Natürlich bilden auch die Werke Hirschs keine ״Unterhaitungslektüre“, die in ein paar freien Stunden erledigt werden kann. Im Gegenteil. Auch sie müssen ״studiert“ werden und stellen zur gründlichen Erfassung ihres Inhaltes, besonders in vielen Partien des Pentateuch-Kommentars, ganz hohe Ansprüche an die Gedankenkonzentration und den Scharfsinn des Lesers. Und nicht zuletzt ist eben auch dieser Umstand, der aber dem Studium jedes tiefen denkerischen Systems anhaftet, schuld an d m, was manche dann als ״Beweis“ für die ״Überlebtheit“ der Hirsch’schen Schriften gelten lassen möchten. ״Man liest ja doch Hirsch nicht mehr in dem Maße wie früher.“ Ja, gegen Denkfaulheit kämpfen selbst die Götter vergebens. Ein anderesmal wird der angeblich ״veraltete“ oder ״unsachliche“ Stil des Meisters ins Treffen geführt. Die Wahrheit ist aber: Man scheut die mühevolle Gedankenarbeit,