Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- Seite 67 (sequence 69)
- Belongs to
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67 Neue Wege? Zum 27. Teweth. Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. I. Die veränderte Lage der Jaden in Deutschland und die damit gegebene veränderte Einstellung zu den Kulturbelangen der außerjüdischen Umwelt scheint in manchen Kreisen auch au! eine Um- Wertung aller bisherigen geistigen Werte des jüdischen Denkens zu drängen. Insofern dieser Umwertungsprozeß der einseitigen und fast ausschließlichen Pflege der außerjüdischen Menschheitskultur, wie sie leider über ein Jahrhundert in weiten jüdischen Kreisen Deutschlands währte, ein Ende machen und die Pflege dieser Kultur auf ihr berechtigtes Maß eindämmen und dem bisherigen Kultur-Aschenbrödel: der Thora-Kultur aufs neue den Königsthron aufrichten will, — insofern ist dies gewiß freudigst als Ausfluß göttlicher Providenz zu begrüßen. Eine solche Umwertung würde ganz sicherlich eine herrliche geistige und sittliche Regeneration der deutschen Judenheit (in erster Reihe der Orthodoxie, und dann von ihr heilsam beeinflußt auch weitester Kreise) herbeiführen. Doch bezeugen verschiedene literarische Erzeugnisse aus letzter Zeit, daß bei aller grundsätzlichen Übereinstimmung dennoch bezüglich der einzuschlagenden Wege scharfe Gegensätze bei den führenden Geistern wahrnehmbar sind. Da war es vor allem Dr. Isaac Breuer, dieser geniale Denker, der in seinem vor zwei Jahren erschienenen Meisterwerk ״Der neue Kusari“, — dessen Übertragung ins Hebräische trotz scharfer Kritik von dem führenden zionistischen Schriftsteller Kleinmann im Haolam aufs allerwärmste empfohlen wird, weil es berufen sei, ein Standardwerk in der jüdischen religionsphilosophischen Literatur zu bleiben, — zur geistigen Regeneration der deutschen Judenheit außer intensivem Thorastudium, zur Gewinnung einer festen jüdischen Weltanschauung, die imstande ist allen דומות מצדיות, allen unjüdischen Geistesströmungen Widerstand zu leisten, ein tiefes und inniges Sichversenken ins Hirsch’sche Schrifttum als unabweislich forderte. Und der geistvolle und scharfsinnige Verfasser gibt uns in seinem Buche selber ein klassisches Schulbeispiel für eine derartige Auseinandersetzung im Geiste des Meisters mit den philosophischen Gedankengängen von Kant, Schopenhauer