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Nahalat tsevi · 1935-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1935) · p. Seite 4

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
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4 daß der Zionismus, was er bisher in Palästina nicht leisten konnte, erst recht nicht in — Deutschland zu Wege bringen werde? Die Thorah ist die Kultur des jüdischen Volkes. Sie ist Inbegriff seiner Lebensweisheit und seines Lebensstils. Ihr allein hatte sich das Sinnen und Trachten unseres Volks während der vielen Jahrhunderte seines geschichtlichen Ganges in grandioser Einseitigkeit zugewandt. Aus ihr floß jüdisches Denken und jüdisches Fühlen, jüdisches Wollen und jüdisches Hoffen, jüdisches Leid und jüdischer Triumph. Auch wer es bedauert, daß dem also war: zu ändern vermag auch er es nicht. Streichet die Thora aus der Geschichte unseres Volks, und es wird zu einem parasitären Zigeunervolk. An der Richtigkeit dieses Satzes ist jeder Zweifel unmöglich, wie immer man* zur Thorah stehe. Geschichtliche Erfahrungstatsachen lassen sich nicht bestreiten. Wer daher zum jüdischen Volk zurückkehrt ohne zur jüdischen Thorah, steht vor dem kulturellen — Nichts. Wer zum jüdischen Land zurückkehrt ohne zur jüdischen Thora, landet in — Asien. Aus dem Nichts läßt sich eine Kultur nicht stampfen. Auch ״weiterentwickeln״ läßt sie sich nur in Anknüpfung an das geschichtlich Gegebene und Gewordene. Sie ist zudem nicht einmal erlernbar. Zum Erlernen muß auch noch das Erleben kommen. Was nutzt es, etwa alle Vorschriften betreffend den Sabbath, dieses Kernstück der jüdischen Kultur, mit heißem Bemühen zu studieren, wenn man ihn niemals in seiner unermeßlichen Originalität mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen persönlich erlebt hat? Wer kann sich vermessen, jüdische Kultur zu kennen, der den jüdischen Sabbath nicht kennt, dessen geheimste Seelenfugen nicht beim Klang dieses Wortes, und hätte er dem Sabbath selber praktisch längst den Rücken gekehrt, noch in Erinnerung aufs tiefste erbeben? Wer kann sich vermessen, jüdische Kultur auch nur in den Mund zu nehmen, wenn ihm die Kultur des Beth Hamidrasch, dieser geschichtlichen Werkstätte jüdischen Denkens und jüdischen Fühlens, einfach fremd ist? Der dem Sabbath, dem Beth Hamidrasch im Mannesalter Entsprungene mag — vielleicht! — von ״Fortentwicklung״ der jüdischen Kultur träumen: er weiß wenigstens, wovon er spricht. Glaubt man aber etwa, daß der Großteil der deutschen Juden aus lauter — Achad Haam oder aus lauter — Bialik besteht? Können wir nicht bereits heute selbst in Palästina feststellen, daß der Versuch, mit jüdischen Kindern da anzufangen, wo Achad Haam — aufgehört hat, zur

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