Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 337 (sequence 47)
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337 und zu einem Materialismus führt, der das Judentum vollends untergräbt. Die Bekämpfung dieser Lehre darf nicht leicht genommen werden. Sie als unjüdisch abzulehnen, ist nicht ausreichend. Der agudistische Poel muß die Grundbegriffe der Wirtschaftslehre kennen lernen, und er muß in Stand gesetzt werden, dem Gegner, den er ständig auf der Gasse und in der Fabrik trifft, Bede und Antwort zu stehen. Seine Ablehnung darf nicht nur auf Autoritätsglauben beruhen, sondern muß aus eigener, selbsterworbener Überzeugung sich ergeben. Und schließlich muß er der marxistisehen Weltanschauung die agudistische entgegenzustellen vermögen. Die agudistische Weltanschauung des Poel kann der Kenntnis der Quellen nicht entbehren. Der Poel muß vor allem ״lernen“, und wenn er bereits in seiner Jugend gelernt hat, so muß er erst recht weiter lernen. Mit unnachsichtiger Strenge muß die Leitung dahin wirken, daß sämtliche Ortsgruppen dafür Sorge tragen, daß ihre Mitglieder Gelegenheit finden, dieser obersten Pflicht des Poel zu genügen, und daß sie die ihnen gebotene Gelegenheit auch benützen. Der agudistische Poel soll und darf kein geistiger — Proletarier werden. Nur das ״Lernen“ kann ihn davor schützen und ihm eine gute Bildungsgrundlage verschaffen. Es war mir eine große Freude, auf der Landeskonferenz die Wahrnehmung zu machen, daß sich unter unseren Poalim wirkliche und echte ״Söhne der Thora“ befinden. Erstrebenswert wäre, wenn das ״Lernen“ der Poalim in erhöhtem Maße auf die Gegenwart und ihre Wirklichkeit bezogen würde: also Thnach als Stählung der Urteilskraft im Hinblick auf die in die Erörterung mit einzubeziehenden geistigen Fragen der Jetztzeit, der Talmud als geltendes Gottesrecht des menschlichen Nebeneinander, nicht aus den wirtschaftlichen Phäuomenen sich ergebend, sondern bestimmt, sie zu beherrschen und in ihrem fortgesetzten Wechsel immer wieder von neuem zu gestalten. Hand in Hand mit unausgesetztem Lernen muß die spezifisch agudistische Erziehung des Poel gehen. Sie ist ohne Einblick in das geschichtliche Wesen des Judentums und des jüdischen Volks, dieser wieder ohne Einblick in das Wesen der Geschichte überhaupt nicht möglich. Hier mag das Lehrziel ruhig so hoch wie möglich gesteckt werden. Der Poel muß die tiefe Tragik der Menschen- und Völkergeschichte begreifen lernen, muß verstehen, daß der ethische Kern des Sozialismus letzten Endes die unstillbare Sehnsucht der Menschen nach Recht und Gerechtigkeit ist, Recht und Gerechtigkeit aber Geheimnisse Gottes sind, die nur auf dem Wege