Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 196 (sequence 42)
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196 hiftorik auch einmal die Weltgefchichte als Chronik der Liebe zu fchreiben. So wie auch Gott fie fori und fort fchreibt und keines guten Werkes vergibt. Aber wie inbrünßig, wie heroifch, wie — befchämend grob oft die eigengefetzliche Liebe der Menfchheit auch fein mag, ihre Willkür macht fie in vielem wirkungslos, labt ihre Kraft zum groben Teil in unfruchtbare Mühfal verpuffen, und fo liefert fie neben Haufen von Weh und Ach nur wenig fördernden Triebftoff für den fchöpfungsgemäben Fortfehritt, für das Werden des Gottesreiches. Es ift Liebe unter unfelbftändigen Kindern, die ihren Vater kennen, doch von feiner Weitung nichts wiffen wollen. Sie enthält foviel Keim des Unfegens, wie fie Ungehorfam enthält. Indem aber Gott, die fchöpfungsgemäbe Mabgeblichkeit der Tauro21 uns anvertrauend, das Gottesftaatsvolk fchuf, wies er der nur-menfchlichen Liebe den Rettungsweg aus ihrer tragifchen Irrung. Jüdifche Liebe Geht im Bruderwefen nicht nur das Mitgefchöpf, fondern den Mitarbeiter am gottesreichlichen Auftrag, nicht nur den Mitbruder, fondern das Mitkind. Das heibt, fie vergibt im Anblick der liebesbedürftigen Kreatur nicht den Quell aller Liebe, den Creator, Jibroeils Gottheit, Gottkönig. Sie weib, dab Bruderliebe in Kindesliebe wurzeln mub. Alfo müffen Brüder, die den Weg der Heimkehr weifen und führen wollen, der gehorfamen Kindesliebe zum Vater den unbedingten Vorrang vor der Bruderliebe geben. Das aber find eben Brüder der Gemeinfchafi der J’rei’im. Sie wollen nicht ftolz fein, wenn fie hervortreten. Sie folgen ja nur ihrem Beruf, in dem Meifter zu fein fchwerer ift als in irgend einem anderen. Und es gefchieht nicht ohne verfchämte Verlegenheit, wenn fie, von eigener und fremder Not getrieben, fich zu erkennen geben; denn beffer als jeder andere fehen fie felber den peinlichen Kontraft zwifchen der ragenden, heiligen Höhe ihrer Beftimmung und der fändennahen Schwäche ihrer Menfchlichkeit. Und fie wiffen wohl, dab fie nicht allein in Gottes Dienft flehen, dab der Weltenkönig in unergründlich geheimnisvoller Waltung auch fo viele, viele in feine Heerfchaaren einzureihen verfteht, die nur halb oder auch garnichl daran denken, ihm zuwillen zu fein, und ohne es zu wiffen auch feine Ziele fördern.22 Aber feitdem nun einmal Gott Jibroeil feinen ״Erftgeborenen Sohn"23 genannt hat, kennen J’rei’im ihre 21 B’r. r. 1!. 22 s. o. Kap. 28 Anm. 34 u. 35. 23 II 422 (Ow. III 14).