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Nahalat tsevi · 1935-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1935) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 4-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 72 (sequence 6)
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tesworts auf und lösen das Spannungsverhältnis zwischen Gotteswort und Tatbeständen nicht etwa durch Auflehnung gegen das Gotteswort, sondern indem sie mit unvergleichlicher Energie sich der neuen Tatbestände bemächtigen, in vollendetem Bruch mit den herrschenden Tagesmeinmigen auch für die neuen Tatbestände die absolute Herrschaft des Gottesworts vindizieren und diese Tatbestände so lange gestalten, formen, umbilden und, wenn es nottut, auch zerbrechen, bis sie thorahgemäß sind und dem ewigen Gottesfeuer neue Nahrung geben. Das Gotteswort aber, in seiner Anwendung auf die neuen Tatbestände, ewig unveränderlich, ewig unaufhebbar, bewährt seinem legitimen Revolutionär die ewige Jugendkraft, die Gott ihm verliehen, indem es, in all seiner Unveränderlichkeit, in all seiner Unaufhebbarkeit, für die neuen Tatbestände Neues zu sagen hat. Noch ist kein Revolutionär dem Gotteswort erstanden, der nicht zugleich die Geschichte des Gottesworts bereichert hätte. Solche Revolutionäre waren etwa die Gründer des Chassidismus. Ein solcher Revolutionär war auch Rabbiner Hirsch זצ״ל. In seiner Rede vor drei Jahren hat der Aschaffenburger Raw זצ״ל eine Parallele gezogen zwischen dem Chassidismus und Rabbiner Hirsch. Wie weit diese Parallele geht, wie richtig sie ist. das leuchtet erst ein, wenn man einsieht, daß die Gründer des Chassidismus vor einer im Grunde ähnlichen Situation standen wie Rabbiner Hirsch. Tatbestände, neue Tatbestände, waren für das Gottes wort zu gewinnen, und die Revolutionäre des Gottes worts hier wie dort haben die neuen Tatbestände dem alten Gottesworte zugeführt. — III. Unerhört neue Tatbestände hatte das ausgehende 18. Jahrhundert und zumal das junge 19. Jahrhundert geschaffen. Es hatte schon zuvor die Renaissance die Einzelpersönlichkeit und ihr vermeintlich grenzenloses Eigenrecht entdeckt. Aber erst die Wegbereiter der großen französischen Revolution und schließlich diese Revolution selber trugen das politische und das kulturelle Ideal des Liberalismus in die Massen. Die Einzelpersönlichkeit durchbrach die Bindungen des Herkommens und anerkannte nur noch, gewissermaßen als Orientierung, die Folgerungen aus einer meist ungeschichtlich gedachten und gefühlten Humanität. Auf dem Gebiete der Wirtschaft entfesselte der Liberalismus die

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