Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 11-12 (August 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 288 (sequence 10)
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Inzwischen haben sich die Zeiten gründlich geändert. Die räumliche Zerrissenheit unseres Volkes ist durch die immer noch fortschreitenden Wunder der modernen Technik dermaßen überwunden, daß man wohl sagen darf, es können sich heute die weltzerstreuten Glieder unseres Volkes fast so schnell untereinander verständigen, wie unsere glücklicheren Vorfahren, die in unserem Lande vereint waren. Unser Land ist uns selber unendlich näher gerückt. Die zionistische Bewegung hat sich vor den Großmächten der Erde zur Wortführerin der ganzen jüdisehen Nation gemacht, hat aber die Konstruktion der jüdischen Nation vollkommen verfälscht und sie in vollendeten Gegensatz zu dem ganzen Sinn der jüdischen Geschichte gestellt. Immerhin hat sie, zum ersten Male seit den Tagen des Titus, die ganze jüdische Nation, wenn auch in maßloser Entstellung, in die Geschichte der Völker eingeführt, und sie hat, durch eine wunderbare Fügung der Vorsehung, im Zusammenhang mit dem Weltkrieg, bei den Großmächten der Erde Gehör gefunden und Erfolge erzielt. Die Balfour-Deklaration hat, zum ersten Male seit den Tagen des Titus, ein Anrecht der jüdischen Nation als Ganzes auf das Land der Väter anerkannt und damit die Einführung der jüdischen Nation in die Geschichte der Völker feierlich bestätigt. Es fragt sich nun, wie all diese völlig unbestrittenen Tatsachen zu bewerten sind. Ein Teil des thoratreuen jüdischen Volks fühlt sich durch die angegebenen Tatsachen, zu denen man sehr wohl noch die wachsende Wirtschaftsnot gerade in den Thorazentren, den immer bedrohlicheren Einbruch westeuropäischen Geistes in den Umkreis der Thora anfügen könnte, zu einer besonderen, von den Traditionen der Väter sich unterscheidenden Aktivität nicht veranlaßt. Er verdoppelt nach bestem Können die Intensität des ״Lernens“, die Innigkeit des Gebets, die Abschließung von einem feindlichen Leben und — harrt und hofft. Ihm ist das Golus nach wie vor, und vielleicht jetzt erst recht, die Epoche völliger Passivität der jüdischen Nation als solcher. Anders der Agudismus. Zum ersten Male seit den Tagen des Titus ruft er im Namen der Thora die Nation der Thora als solche auf. Im bewußten Gegensatz zu vergangenen Jahrhunderten erachtet er die Nation der Thora als solche zur Entfaltung höchster Aktivität verpflichtet. Aus zweitausendjähriger aufgezwungener Passivität will er die Nation der Thora aufrütteln und sie willensfähig und handlungsfähig machen. Der