Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 7-8 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 211 (sequence 49)
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211 graffierenden Rechthaberei gekommen. Der Torfo des jüdifchen Staates war aber immerhin noch ein Machtftaat, und es war der Staat Gottes, zu dem man fidi ftolz bekannte und unter deffen Grziehungsautorität man von jung an aufwuchs. Da waren, wie in jeder funktionierenden Polis, die Geltungsgeläfte der Maffe mit einem entfprechenden Rangplatz im Rahmen der öffentlich-rechtliehen Konftruktion durchaus zufrieden. Da war höchftens Strebergeift, wie auch fonftwo unter karrierefreudigen Bürgern. Das war normal. Und felbft die Feinde der verfaffungsmäbigen Theokratie, deren es zu verfchiedenen Zeiten wohl mehr als genug gab, waren weniger darauf aus, Reformen eigener Theorie zu erzwingen, als die materielle Macht an (ich zu reiben, alfo der Habfucht zu frönen. Sie waren mehr Gegner des Staates als Gottes. Und wenn ein fremder Staat, dem fie in verblendeter Begeifterung lieh an warfen, ihnen auch nur den Schein karriferefähigen Bürgerrechtes verlieh, waren fie überglücklich. Hingegen mubte die das Leben erfchwerende Reduzierung der Ausftaitung gerade die Habfucht mächtig reizen. Was die Sinnlichkeit lähmte, lodde die Habgier. Einft, in Sch’chino-Nähe, fab man an felifamen Tifchen, die ohne Mühfal lieh füllen konnten oder auch trotz Mühfal leer blieben. Jetzt war man ״natürlicher״ eingerichtet, mubte lieh felber den Tifch decken, fchaffte es aber auch mit Fleib in der Regel. Naturgemäb regte lieh da der Drang nach Selbfterhaltung mit gefchärfien Sinnen, um die wirtschaftliche Pofition durch Reichtum zu Gehern. Und wirklich richteten Esro und N’chemjo ihre erften Sorgen auf die Hut der Gefetze, welche der Habfucht als ftärkfte Belaftung erfcheinen mubten; nämlich Schabbob und Schabbobjahr, die heiligen Siegel von Gottkönigs All-Befitz, und die Leitungen an Gottes Haus und Diener4.- Wenn die Götter vertagen, mub der Menfch lieh felber helfen. Nachdem Götzendienft endgültig ausgefchaltet ift, dient nur noch der praktifch-kluge Verftand als Vorfpann, und das ift gerade der richtige. Denn auionomifiifche Ratio plant Befriedigung und Glück; jeder Plan ift aber ein Weg über Mittel zum Ziel; fomit ift Habfucht, der triebmäbige Drang nach Mitteln, der Haupthebel alles Planens. Jedweder Widerftand gegen den Willen Gottkönigs wird von nun an rationell fein, krab autonomiftifch. Lautete die Alternative in der erften Epoche: theonom oder metanom, fo hieb fie jetzt: theonom oder autonom. * N’ch. 10 u. 13 (betr. d. Mischehen s. o. Kap. 18 Anm. 1).