Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 3-4 (Dezember 1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551400--1353-2552864- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Vom Einfluß des Judentums auf die Wellkultur. *} Von Rabbiner Dr. Raphael Breuer s. A. Wenn wir uns die Frage vorlegen, worin der Einfluß des Judentums auf die Weltkultur besteht, dann müssen wir uns vor allem über den Sinn dieser Frage klar werden. Unsere Frage lautet nicht: worin der Einfluß der Juden auf die Weltkultur besteht. Diese Frage könnte sehr einfach anhand der Statistik beantwortet werden. Man zählt die jüdischen Politiker und Künstler und beweist danach den Einfluß der Juden auf Politik und Kunst. Man erfährt, dafj es ein Jude war, der zu Beginn des Krieges Deutschlands Rohstoffversorgung sicherstellte, und zeigt daraus den Schlufj, welch ein Faktor in der deutschen Landes- Verteidigung die jüdische Intelligenz darstellte. Man konstatiert, dah von 14 deutschen Trägern des Nobelpreises die Hälfte Juden sind, dah die Weltmeisterschaft im Schachspiel dreimal von einem Juden errungen wurde, und man schliefet daraus, da!3 die Weltkultur verarmen müfjte, wenn ihr der jüdische Einschlag fehlen müfyte. So gewifj aber auch diese statistischen Fest- Stellungen ebenso interessant wie bezeichnend für den Einfluß der Juden auf die Weltkultur sind, so müssen wir uns doch hüten, Juden und Judentum ohne weiteres zu identifizieren. Das Judentum als solches hat unmittelbar weder mit Rohstoffen noch mit dem Schachspiel etwas zu tun. Wenn wir den Einfluß des Judentums auf die Weltkultur feststellen wollen, so haben wir nicht danach zu fragen, was einzelne hochbegabte Menschen, die zufällig als Juden geboren sind, zur Förderung der Kultur beigetragen haben, wir haben dabei vielmehr das Judentum in seiner historischen Erscheinung als geistige Macht, als religiöse Potenz ins Auge zu fassen und uns danach umzusehen, was die Weltkultur der jüdischen Religion zu verdanken hat. Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir die Gegenwart verlassen und uns der Vergangenheit zuwenden. *) In wehmütiger Erinnerung an den Verfasser זצ״ל, dessen Jahrzeit wir am 1. Schewat begingen, bringen wir obige Ausführung, die auch heute an Aktualität nichts eingebüßt hat. Die Schriftleitung.