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Nahalat tsevi · 1933-01-01 · Heft 4-5 (Januar 1933) · p. Seite 163

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 4-5 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 163 (sequence 51)
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163 Nachgebens, Sinn für Gerechtigkeit und Billigkeit getreten ist und gegenwärtig die thoragemäßen Institutionen, unter erheblichem Kostenaufwand, aus freier Ueberzeugung, daß dies so sein müsse, unterhalten werden. Herr Doktor, sind Sie denn blind? Erkennen Sie denn nicht, daß diese freie Ueber־ zeugung gar nichts anderes ist. als die Selbstbesinnung des jüdischen Liberalismus, als das Zu-Ende-denken der liberaljüdischen Theorie, als die klar erfaßte Idee der, das Staatsvolk verdrängenden, Religionsgemeinschaft? Was anfangs Konzession war, ist längst Wesensbestandteil geworden! Die liberale Idee der Gemeinschaft subjektiv religiöser jüdischer Menschen schließt (ja, zu Ende gedacht, orthodox jüdische Menschen, wenn sie nur den Herrschaftsanspruch der Thora zeitweilig nicht geltend machen, nicht aus, sondern ganz im Gegenteil ein! Sie fordert sogar unbedingt die Einbeziehung auch dieser Gruppe jüdischer Menschen, wenn anders sie den Anspruch auf universelle Erfassung aller Juden in der nämlichen Weise soll erheben können, in der dies die von ihr bekämpfte und verdrängte Idee des Staatsvolks der Thora getan hat. Der selbstbewußte jüdische Liberalismus ,gibt nicht nach und verzichtet auf nichts, indem er den neologen Institutionen thoragemäße angliedert. Er gewinnt damit nur. Er vollendet seinen Bau zum universalistischen Bau der jüdischen Religionsgemeinschaft schlechthin. Er errichtet die thoragemäßen Institutionen nicht aus Konnivenz gegen die thoratreuen, sondern aus;eigenstem — Liberalismus, der sich gerade dadurch aus einer abgesplitterten Sekte zur Würde der jüdischen universeilen Religionsgemeinschaft erhoben weiß. Wenn Liberalismus, zu!Ende gedacht, nichts anderes bedeutet, als subjektive Religiosität, vom starrsten Konservatismus bis zur flüchtigen Geburts-, Hochzeits- und Todesreligiosität, wenn jüdische ”Religionsgemeinschaft, liberal zu Ende gedacht, nichts als die Gemeinschaft all dieser subjektiv religiösen jüdischen Menschen ist, berufen und bestimmt, ihrer aller Bedürfnisse nach Kräften zu befriedigen, so hört die liberale Gemeinde, indem sie sich auch thoragemäße Institutionen gibt, hiermit wahrlich nicht auf, liberale Gemeinde zu Sein, sondern sie ist es nun erst recht im wahrsten Sinne des Wortes, und diese thoragemäßen Institutionen, von der liberalen Gemeinde errichtet, sind ganz genau so liberale Institutionen, wie es die zuvor bereits bestehenden waren.

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