Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 107 (sequence 47)
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107 •Bernheim: ,Weil Keneßeth Jißrael nach1 seiner Ansicht die Herrschaft der Thora nicht anerkennt. Alfred: Wieviele sind’s? Bernheim: Ein paar tausend Familien. Eine ausgesprochene Minorität. Alfred: Unter wessen Führung? Bernheim: An ihrer Spitze steht Rabbi Josef Chäjim Sonnenfeld. Alfred: Und was ist das Schicksal der Ausgetretenen? Bernheim: Sie stehen außerhalb des organisierten Nationalheims. Sie bilden einstweilen nur einen■ privaten Verein. Als offizielle Vertretung der palästinensischen Judenheit anerkennt der Staat nur den Waad Leümi. — Inoffiziell macht ihnen der Staat jetzt möglichst wenig Schwierigkeiten. Alfred: Schwierigkeiten? Bernheim: Ja. Es stand ursprünglich keineswegs fest, daß die Ausgetretenen das Recht haben sollten, eine eigene Schächt- Institution zu unterhalten und eigene Mazzoth zu backen. Die SchäChtgebühren und die Gebühren für Mazzoth' werden nämlieh eine Haupteinnahmequelle der Keneßeth Jißrael bilden. Man hat aber schließlich den Ausgetretenen nachgegeben. Offiziell sollten sie auch nicht das Recht haben, standesamtliche Urkunden auszustellen und Ehescheidungen mit Wirkung gegenüber dem Staat vorzunehmen. Einstweilen aber läßt man sie jetzt auch in dieser Hinsicht stillschweigend gewähren. Alfred: Hm. Hm. — Der Kreis des Waad Hair Aschkenasi, Herr Doktor, ist wohl die — unabhängige Orthodoxie Palästinas? Bernheim: Allerdings. Manche sagen: von Deutschland importiert. — Alfred: Eine ausgesprochene Minorität, sagten Sie? Bernheim: Ja. — Auch sie mit allen typischen Fehlern der Einkapselung behaftet. Zudem von einer BildungsfeindÜchkeit, die ihrer Jugend jede Aussicht auf wirtschaftliche Lebensfähigkeit im aufzuschließenden Lande nimmt. Alfred: So. — Das also ist die Lage. — So sieht es aus. — Jetzt weiß ich Bescheid. — Bernheim: Und Ihre Meinung? Alfred: Herr Doktor, sind die Juden, die in Palästina der Thora widerstreben, liberal? Sind sie wesensgleich den Liberalen Ihrer Gemeinde?