Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1932-08-01 · Heft 11-12 (August 1932) · p. Seite 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
II (5692) 1931/32
Issue
Heft 11-12 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 384 (sequence 66)
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2551369-2551378-2551386--0884-2552383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

354 Denkens in weitester Ferne. Denn Gerechter ist in seinen symbolischen Erklärungen und Betrachtungen sichtlich nach Sinn und Ziel Schüler des großen Meisters. Aber die Umwelt, zu der er spricht, ist um Weltenweiten verschieden von der des Meisters. Hirsch hat den süddeutschen Juden aus der erstickenden Atmosphäre biedermeierscher Überkultur zu wahrem ״Fortschritt zum Heil“ emporgerissen; dem kraß materialistischen ostdeutschen Milieu der Gegenwart zunächst, aber, dem heute mehr als je früher ״die Welt ein Dorf“ geworden, dem materialistischsten aller Geschlechter, der ganzen ideallosen Gegenwart gelten die ermahnenden Worte Gerechters. Darum ist seine Diktion von außergewöhnlicher und ebendadurch wirksamer Sachlichkeit. Wer nämlich die Kleinstadtjudenheit aus jahrelanger Erfahrung kennt, weiß, daß hier nur mit mehr als schlichter, — mit provinzieller Sprechweise etwas zu erreichen ist, wenn es sich einprägen soll. Der Verfasser hat als rühriger Kaufmann in der ganz anders denkenden Umgebung seiner heimatlichen Mittelgemeinde sich eine vorbildliche Opferwilligkeit für sein meist autotidaktisch betriebenes Thora־ Studium und seine schriftstellerische Arbeit bewahrt, von der vorliegender Band das erste öffentliche Zeugnis ist. Für eine Neuauflage oder Fortsetzung seien uns einige Wünsche gestattet. Die Ausführungen über Para S. 102 und Nasir S. 145 sind zu wenig eingehend. Bei Letzteren wird der Irrtum ermöglicht, nur bei unlauterem Motiv sei das Nasir-Gelübde als sündhaft bezeichnet worden. Sollte hier absichtlich die das Diesseits bejahende talmudische Ansicht unserem gar zu diesseitsfrohen Zeitalter verhüllt worden sein? Aus ähnlichem Anlasse scheint Gerechter den eigentlich hirschischen Betrachtungen solche aus älteren Mussarbüchern über die Jainim noraim vorauszuschicken. Unser Zeitalter muß nicht erst ermahnt werden, keine Leichenbittermiene aufzusetzen. Trotz dieser veränderten Sachlage hat G. es vollbracht, für jedermanu lesbar die tiefen hirschischen Originaldeutungen über Taharat Ko h an im, Chamez, Willensfreiheit, Sabbat und Offenbarung Gottes in der Geschichte nahezu ohne sachliches Zugeständnis an das Volksniveau darzustellen. Am getreuesten hat er es wohl bei den Reinheitsgesetzen und der Mila vollbracht; die Kapitel hierüber dürften das Schönste im Buche darstellen. Eie übersiehtliehe Untergruppierung nach 3—4 Hauptteilen und eine konsequentere Um- Schrift hebräischer Worte hätte das sonst ansprechende Äußere des Buches nur vervollständigt* Wir wünschen dem Buche weiteste Verbreitung. Möge es dem Verfasser vergönnt sein, die seelischen und äußeren Erfolge seines Schaffens zu ernten. — T 62 446 200 n i Redaktionsschluss der nächsten Nummer: 11. Elul 5692/12. September 1932.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.