Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 366 (sequence 48)
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366 den Konkretisierungsbestrebungen läßt man es nicht zur schönen!Ruhe der Tendenzlosigkeit kommen. Allmählich tritt die Frage nach dem Ziel, die vorher abgelehnt war, wieder in den Vordergrund. Innerhalb des Bundes bildete sich als starke zielbetonte Gegenrichtung eine Gruppe mit stark sozialistisehen Tendenzen, besonders an den Orten, wo die soziologische Struktur der Bevölkerung den Gedanken des Klassenkampfes nahelegte. Jugend ist immer radikal: Man begnügt sich nicht mit gemäßigt sozialistischen Tendenzen, und man wird umso radikaler, als für viele, denen das Judentum nichts sagte, ihr Deutschtum aber umso problematischer wurde, je mehr der Antisemitismus .weiteste Schichten des deutschen Bürgertums erfaßte, der Sozialismus eine Art Erlösung bedeutete. Zunächst sah der ״Schwarze Haufen“ als Aufgabe des Bundeslebens die Wiedererweckung der ursprünglichen freideuiscben Ziele an: Kampf gegen Elternhaus, Schule und Gesellschaft. Aus der Uebersteigerung des kämpferischen Gedankens erwuchs die klassenkämpferische Forderung und ihre Uebertragung auf das Bundesleben gegenüber Andersdenkenden. Daraus ergaben sich Unmöglichkeiten, und es war eine folgerichtige Entwicklung, wenn!auf dem Bundestage des Jahres 1927 der ״Schwarze Haufen“ aus dem Bunde ausgeschlossen wurde. Die Mitglieder dieser engeren Gemeinschaft traten entweder in die Kommunistische Partei und die Sozialistische Arbeiterjugend ein, oder sie suchte im Gegensatz zum sozialistischen Ideal der Internationale ihr Bedürfnis nach konkreter Zielsetzung im-Nationalismus zu stillen. Denn auch die oben charakterisierte Aelteren-Gruppe war nicht müßig geblieben. Man hatte erkannt, daß eine Weiterbildung des Aelterenbundes notwendig wieder zur Jugendarbeit führen müsse. Der ״Kreis“ trat wieder hervor, Es entwickelten sich allmählich bewußt nationale Tendenzen. Man bejaht den Palästina-Aufbau, beteiligt sich an Sammlungen für den Keren Kajemeth Lejisrael, bemüht sich um jüdisches Wissen, findet vor allem in der Berliner ״Schule der jüdischen Jugend“ Konnex mit anderen jüdischen Gruppen. Es blieb bei alledem ein weiter Spielraum auf geistigem Gebiet, eine Tendenzerziehung im zionistischen Sinn schien nicht erwünscht, vor allem schon deshalb nicht, weil infolge der bisherigen Kameradenerzieh’ung die innere Voraussetzung dazu nicht geschaffen war. Bekennt-