Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 11-12 (August 1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 337 (sequence 19)
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337 Viele werden natürlich schon gegen die Kennzeichnung des;Antisemitismus als eine Krankheit protestieren. Für die waschechten Antisemiten sind ja die Juden die Krankheitserreger im Körper ihrer Wirtsvölker, sie sind, wie einer ihrer Wortführer meint, ״Fremdkörper“, und ״Fremdkörper“, so weiß es jede Gesundheitslehre und Lehre vom Organismus überhaupt, müssen ausgeschieden werden, soll nicht der Organismus schweren Schaden leiden, verkümmern oder zugrunde gehen. ״Läge nichts weiter vor, als das tiefe Fremdgefühl und die natürliche Abneigung der Deutschen dem Juden gegenüber, der Wille, den Juden auszuscheiden, so würde schon das als Grund und Rechtstitel, es zu tun, vollauf genügen. Es gibt gar nichts, (was so berechtigt, heilig und gewichtig wäre, wie diese innere Fremdheit und Abneigung“. Woher kommt es aber, daß der Jude eher als Fremdling und Fremdkörper empfunden wird ,als die anderen Fremden? Liegt es an seiner Religion? Viele behaupten es, aber dann wäre es kaum zu begreifen, warum denn auch die Nichtreligiösen und sogar die Atheisten mit einem ganz besonderen Hasse beehrt werden? Neuerdings wird immer mehr von einem Haß gegen die Rasse gesprochen. Die höhere nordische Rasse haßt die niedrige semitische Rasse. Der Haß stammt aus dem Blute, die Natur selbst hat Feindschaft zwischen beide Rassen gesetzt. Mit Recht weist Isaac Breuer in seinem ״Judenproblem“ schon darauf hin, daß das Blut nicht haßt. Der Haß stammt von der Persönlichkeit, und es ist bloß ein Asyl der Unwissenheit, wenn wir diesen Haß in die Rasse verlegen. W e i n i n g e r spricht von einem ״metaphysischen Abscheu“, d. h. mit anderen Worten, daß wir diesen Abscheu ,und diesen Haß uns gar nicht erklären können, er ist (übersinnlicher Art und daher gar nicht zu erklären. Auch Isaac B r eu e r spricht von einem ״metaphysischen“ Haß. Aber ich glaube, daß auch dieses Wort nur das Eingeständnis enthält, daß wir uns diesen Haß nicht erklären können. Haß ist etwas jsehr Sinnliches und gehört ganz und gar der Welt der Sinne an. Anhänger des Marxismus in seiner konsequenten Durchführung wie Heller und Kantorowicz erblicken in dem Problem des Judenhasses nur!einen Abschnitt aus dem sozialen Problem. Sie sind mit ihren Meistern der Meinung, daß nur der Schacher es ist, der die Juden verhaßt macht und daß das Verschwinden der kapitalistisichen Welt auch dCn Unter-