Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 279 (sequence 25)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2551369-2551378-2551385--0774-2552272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
279 rück, die jedem Juden — selbst dem, der sich taufen läßt — in Fleisch und Blut übergegangen seien und auf Grund deren er gar nicht (mehr anders handeln könne. * * * .Wie stellt sich der Jude, wie stellen sich die jüdischen Zeitungen (auch die orthodoxen) dazu? Man weist entrüstet darauf hin, daß solche Vorkommnisse gleichermaßen bei Nichtjuden sich ereignen; daß man von der Schlechtigkeit einzelner Juden, die eben nur Ausnahmen G. s. D. sind, nicht auf die Qualität aller Juden schließen dürfe; daß solche Geschehnisse in schreiendstem Gegensatz zu den Lehren des Talmud und Schulchan Orucfo stehen. All diese Entgegnungen sind unbedingt richtig, aber sie genügen nicht. Der Judenfeind sieht nur die Tatsache: so handelte ein Jude. Und wir selbst, die wir in der Tat nach jüdischer Auffassung doch in gewissem Grade mitverantwortlich für Taten eines jeden Juden sind, können und dürfen bei solchen Antworten allein nicht stehen bleiben. Uns selbst gegenüber hätten wir unsere Pflicht nicht erfüllt, und der zeitgenössischen Judenheit würden wir damit nicht zum Führer auf ihrem Golusweg. * * * Wir müssen uns und unsere jüdischen Brüder fragen :wie war es pöglich, daß deutsche Juden derart verwildern können? Hätte man nicht noch vor einem halben Jahrhundert die Existenz von deutsch-jüdischen Mördern (Gelsenkirchen, vielleicht auch Paderborn) Sittlichkeitsverbrechern (Paderborn, Heppenheim) Staatsbetrügern (Devisenschiebung) u. s. w. auf Grund unserer Ueberzeugung vom sittlichen Hochstand der deutschen Juden für nahezu unmöglich gehalten. Was hat sich inzjwischen denn Grundlegendes bei den deutschen Juden geändert? Man wird auch feststellen müssen, daß vielerorts es jüdische Kreise gibt, deren sittliches Niveau nicht höher als das der Umwelt liegt. Das braucht noch längst nicht — ebensowenig wie in der Umwelt — zum Verbrechen zu führen. Aber es zeigt, daß auch kein sittlicher Hochstand da ist. Das äußert sich etwa in der Einstellung vieler Juden zum Gelderwerb, zum Eheleben, in dem Verhältnis der Kinder zu den Eltern, in der Lektüre, der Beschäftigung in der freien Zeit, der ganzen Denk*