Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 7-8 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 205 (sequence 16)
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205 leben, aus deren nächtlichen Schauern das sonnenbestrahlte Jerusalem (der Zukunft sich erhebt. Für dieses Jerusalem der Zukunft {hat Gott, ״der Erbauer Jerusalems“, sich seine ,Werkleute (bestellt. Awrohoms Leben galt seinem Aufbau, deshalb vermochte er Akeda zu bestehen. Diesem Jeruscholajim gilt das!Erziehungswerk unseres Galuth. Auf weitem Erdenrund haben 'jüdische Häuser die Steine zu fügen, die seinem Bau dienen.!Kein Haus darf es wagen, sich diesem Heileswerk zu entziehen. Denn es versinkt sonst rettungslos in den Nöten der Akeda. Denn nur von Zion geht Segen aus, und nur das auf Jerusalem!unverwandt gerichtete Auge schaut das Gute, dessen jüdische!Häuser teilhaftig sein müssen, wenn sie in den Stürmen der Akeda sich behaupten sollen. Seit fast zwei Jahrtausenden haben die •Väter unseres Volkes ,Jahr für Jahr die Kraft gefunden, sich und ihren Kindern in der Sedernacht die zuversichtlichste «Hoffnung zu beleben: ״Diesesmal noch hier, doch nächstes Jahr im Lande Israels“. Was dem unjüdischen Bewußtsein rätselhaft erscheint und vielleicht gar mitleidiges Lächeln abnötigt, weiß sinnvoller Vätermund fragenden Kinderseelen und leuchtenden Kinderäugen als köstliches Besitztum jüdischer Lebenserrungenschaften zu deuten. Denn seit Jahrtausenden erlebt unser Volk das Wunder der Mitternacht, streift diese Nacht den Geknechteten die Fesseln ab, richtet die Gebeugten auf, trocknet die Träne des Leids und!scheucht die Sorge und den Gram aus dem Herzen. Verliert denn nicht auch die leidvollste Akeda-Schickung, unter der sonst das Leben ohnmächtig erliegen müßte, ihre Schwere, sobald Gott die Lasten tragen hilft, wandelt sich nicht die tiefste Nacht in hellen Mittag, solange das Bewußtsein lebt, daß Gottes Auge auf uns schaut und seine Rechte uns durch alle Rätselgänge des Lebens geleitet? Je schwerer die Lasten, die sich auf unsere Schultern legen, je drückender die Fesseln, die uns zu knechten drohen, je unheimlicher die nächtlichen Schatten sich auf uns senken, mit desto größerer Innigkeit entströmt in dieser Nacht der segn!ende, preisende, jubelnde Dank unserer Seele Ihm, ״der unseren ,Vätern und auch uns diese Wunder vollbracht: uns aus Knechtschaft der Freiheit, aus Kummer der Freude, aus Trauer {dem Festtag, aus nächtlicher Finsternis dem Wellen Licht entgegenführt. —“