Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 5-6 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
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Der jüdische Marxismus.*י Von Rabbiner Raphael Breuer s. A. I. Im Jahre 1843, also vor ungefähr 90 Jahren, erschienen zwei Schriften von Bruno Bauer, dem gekannten protestantischen Theologen, über ״die Judenfrage“ und über ״die Fähigkeit der Juden und der Christen frei zu werden.“ Da zu jener Zeit die Gleichberechtigung der Juden in Deutschland noch keineswegs durchgeführt war, war es eine alltägliche Erscheinung, daß man damals ernsthaft über Dinge diskutierte, die uns jahrzehntelang selbstverständlich erschienen und erst in den letzten Jahren wieder fraglich wurden. Die beiden Schriften Bruno Bauers sind damals unter dem gleichen Titel in zwei Aufsätzen besprochen worden, die in den deutsch-französischen Jahrbüchern von Rüge erschienen und von einem jungen Manne herrührten, der im 26. Lebensjahre stand und ein Enkel des Rabbiners Marx Levi in Trier war. Sein Name war Karl Marx. — Die beiden Aufsätze von Karl Marx über die Judenfrage sind vor einigen Jahren von Stefan Grossmann neu herausgegeben worden. In seiner Einleitung weist der Herausgeber auf das hohe Niveau hin, auf welchem die Judenfrage um die Mitte des 19. Jahrhunderts erörtert worden sei. Für Marx sei die Erörterung der Judenfrage nur eine Gelegenheit gewesen, sein großes Weltbild aufzurollen. Er fühlte sich, indem er seine Meinung über die Judenfrage kund tat, nicht als Jude, nicht als Judenfeind, sondern als Verkünder und Bürgen einer neuen Welt, bestimmt von ganz anderen Fragen. — Ich kann mich dieser Charakteristik Stefan Grossmanns nur in bezug auf den ersten der beiden Aufsätze anschließen. In dem;zweiten Aufsatz, der ״die Fähigkeit der Juden und Christen frei zu werden“ bespricht, wendet sich Marx gegen die Auffassung Bauers, der in der Judenfrage eine rein religiöse Frage sah und sagt u. a. (ich zitiere wörtlich): *) Ans dem reichen, anch halachische Abhandlungen enthaltenden Nachlaß des Verfassers וצ׳ל beginnen wir heute mit einer Veröffentlichung, die angesichts der politischen Lage in Deutschland besonders aktuell sein dürfte. Die Schriftleitung.