Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 3 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 31)
- Belongs to
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93 Als Alfred Roden diese Sätze zum ersten Male las, stockte ihm der Atem. Ihm war nicht anders, als umwehe ihn der Hauch der Ewigkeit, als schlage an sein Ohr, über die Jahrtausende hinweg, die offenbarende Stimme des Allmächtigen. Das jüdische Phänomen in all seiner unermeßlichen Rätselhaftigkeit: hier war es in Worten klipp und klar geweissagt, die mit dröhnenden Hammerschlägen die Pforte seiner Seele sprengten, daß sie sich weit auftat, um ihnen Einlaß zu geben. Das ungeheuerlichste Schicksal des jüdischen Volks, das jeder geschichtlichen Erfahrung Hohn sprach: es war nicht nur Ereignis geworden, sondern es war auch mit einer jeden Zufall ausschließenden Deutlichkeit und Anschaulichkeit Punkt für Punkt als Gottes Wille verkündet, der Vergeltung heischte und Gutmachung. Das sühnende Land und das sühnende Volk, vor Jahrtausenden als programmatischer Sinn des Golus seinem Volke anvertraut: aufschreien hätte er mögen unter der überwältigenden Wucht der Vision, die bei diesen Worten vor seinem Auge erstand. ״Das Land, verlassen von ihnen, sühnend seine Sabbathe-, und sie — — sühnend ihre Sünde-“: Schuldverstrickung zwischen Land und Volk hält nach Gottes Plan zwischen Land und Volk, trotz Jahrtausende währender Trennung, den Zusammenhang offensichtlicher Schicksalsgemeinschaft aufrecht. ״Jetzt feiert Sabbath das Landalle Tage der Verödung hält es Sabbath, den es nicht hat halten können, während eurer Sabbathjahre, als ihr in ihm noch wohntet.“ Gott selbst hat das Land zurOede gemacht, ״und es veröden darauf eure Feinde, die darin sich niederlassen.“ Gottes Sabbathsiegel verschließt das Land. Kein Feind erbricht das Siegel. Hätte in Jahrhunderten dies furchtbare Wort nicht hundertfach Lügen gestraft werden können? Feind über Feind hat das Land überzogen, hat sich darin ״niedergelassen“, und alle sind sie ״verödet“. Sabbath feiert das Land, dem das Volk während seiner Sabbathjahre, Gottes Rechtssätzen zuwider, freventlich Wachstum entlockt, und das Volk — sühnt. Sühnt, wie kein Volk auf Erden je geschichtliche Schuld gesühnt hat. ״Euch aber zerstreue ich unter die Völker und zücke hinter euch her — Schwert.“ Mitten in die waffenstarrenden Nationen werden seine auseinandergerissenen Glieder gesprengt, und wo immer sie sind: stets ist es das ״Land ihrer Feinde“. Metaphysisches Grundgesetz des Golus, geweissagt als Wunder ohnegleichen: kein Friede zwischen Israel und seinen erdegetragenen Wirten. Wie lächerlich auch das Mißverhältnis zwischen einer Handvoll