Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- II (5692) 1931/32
- Issue
- Heft 1-2 (November 1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 52 (sequence 56)
- Belongs to
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52 Misrachismus. Stellt der Misrachismus in immerhin anerkennOnSwerter Ehrlichkeit die Problematik des modernen thoratreuen Juden in seiner eigenartigen Verbindung der Welt der Thora mit der allgemeingültigen, objektivenWeit deut ich heraus, so negiert jene Konstruktion schlechterdings das Vorhandensein dieser Problematik, indem sie einfach den Mantel des Thora-Rechts Über alle inneren Unstimmigkeiten breitet und uns dann glauben machen will, daß die solchermaßen enthüllten Probleme überhaupt nicht mehr existieren. In Wirklichkeit liegt darin natürlieh das glatte Eingeständnis, daß man mit den Problemen nicht fertig zu werden vermag und auf eine Lösung endgültig verzichtet Alfred: Wieso kommt es, daß diese Ansicht gerade von separatistischer Seite gelehrt worden ist? Hurtig: Das ist ziemlich einfach zu erklären. Ist die Thora das geltende Recht des jüdischen Volks, so ist jeder liberale Jude ein Rebell, jede Reformgemeinde, gleichgültig, ob sie auch thoratreue Institutionen hat, empörerisch und die zionistische Organisation eine revolutionäre Auflehnung gegen die jüdische Verfassung. Sie sehen klar, wie hier alles aufs Aeußerliehe abgestellt, alles völlig ins Politische gekehrt ist. Von Religion, vom religiösen Menschen mit seinen Kämpfen und Irrungen ist hier überhaupt nicht mehr die Rede. Eine eiskalte Logik, bei der sich das Herz zusammenkrampft. Es ist der tiefste Stand, auf den die Orthodoxie hat kommen können. Während der Misrachist den Kampf zwischen der Welt des Ver- Standes und der Welt der Thora ehrlich ausficht und sich daher nicht wundert, die nun einmal in ihm selber wie überhaupt im jüdischen Volk heute vorhandene Zwiespältigkeit auch in der jüdischen Gemeinde, auch in der jüdischen Nationalorganisation wiederzufinden, sein Platz daher in der jüdischen Gemeinde und im Zionismus ist, um hier wie dort den nämlichen Kampf mit der nämlichen Ehrlichkeit aufzufechten, wandelt jene Theorie die metaphysische Welt der Thora selber in die Verstandes weit des Rechts um und glaubt nunmehr, im Namen des Rechts vom jüdischen Volk ■und vom jüdischen Einzelnen ein Verhalten fordern zu können, das sie im Namen Gottes selber gar nicht einmal mehr zumutbar hält. Alfred: Aber ist denn die Thora!nicht auch als Recht immerhin das Recht Gottes?!Grün: Recht Gottes: wie das klingt!