Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 11-12 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
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Aufruf zur השובה. Der Beginn eines neuen Jahres ist uns allen immer wieder ein willkommener Anlaß, uns gegenseitig ein glückliches neues Jahr zu wünschen. Bei diesen alljährlichen לשנה טובה-Wünschen überlassen wir es jedem einzelnen unter uns, sich den vielseitigen Begriff לשנה טובה so zurechtzulegen, wie es seiner persönlichen Einstellung zu den Dingen dieser Welt und zu den Fragen dieses Lebens, wie es seiner persönlichen Welt- und Lebensanschauung und seinem persön’icheti Lebensschicksal entspricht. Für den einen ist der Begriff שנה טובה , ist der Begriff eines guten Jahres gleichbedeutend mit dem Begriff eines guten Geschäftsjahres. Er denkt am diesjährigen Rausch Haschonoh vor allem an die Wirtschaftsnot, unter der die ganze Welt leidet. Deutschland, aber auch England und Arnerika seufzen unter den Nachwirkungen einer Weltkatastrophe, die vor 17 Jahren begann und deren Ende nicht abzusehen ist. Und wer sich zu Beginn des Jahres 5692 vor Augen hält, daß die allgemeine Wirtschaftsnot die spezifisch jüdischen Geschäftszweige am fühlbarsten erfaßt hat, für den wird in diesem Jahre der Wunsch לשנה טובה תכתבו gleichbedeutend sein mit dem Wunsehe: ״ כתבנו בספר פרנסה וכלכלהschreibe uns ein in das Buch der Nahrung und Versorgung“. Ein anderer denkt am Rausch Haschonoh vor allem an Gesundheit und Leben, an die tausend Gefahren, die seiner und seiner Familie Gesundheit täglich und stündlich drohen. Für ihn ist der Wunsch לשנה טובה תכתבו identisch mit dem Wunsche כתבנו בספר חיים טובים , schreibe uns ein in das Buch des guten Lebens.“ Ein dritter erinnert sich am Rausch Haschonoh vor allem an traurige Erfahrungen, die er im vergangenen Jahre im Verkehr mit seinen nichtjüdischen Mitbürgern machen mußte. Mehr als einmal kam es ihm zum Bewußtsein, daß die Judenfeindschaft erst hier und da etwas abgeflaut, doch keineswegs verschwunden ist. Er denkt an das Schäehtverbot in Bayern, an die Nachwirkungen der Reichstagswahl-en vom 14. September, an die Gefahren der Kalenderreform, die antisemitischen Ausschreitungen in Rumänien und Sa- 1 oniki, die Friedhofsschändungen in Deutschland, und wenn ihm so am Rausch Haschonoh die ganze große jüdische Leidenskette des Jahres 5691 vor Augen schwebt, dann iden-