Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 9-10 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 339 (sequence 55)
- Belongs to
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339 Alfred: Ich bin es, was die negative Seite des Marxismus betrifft Ich pflichte ihm darin bei, daß die Art, wie die Mensehen bisher sich eingerichtet haben, völlig verfehlt, daß sie die!Quelle unsäglichen Menschenleids ist. Aber ich sehe den Weg nicht, der uns hinausführt. Grün: Sagten Sie nicht eben erst, daß Marx aus der bisherigen Staatengeschichte hinausführt? Alfred: Ja, aber doch nur seelisch. Er lehrt uns die Einsicht in das Unnatürliche der ganzen Menschenvergangenheit, er rüttelt uns aus der Lässigkeit auf, mit der wir uns mit den sogenannten Tatsachen abfinden, er macht uns mißtrauisch und kritisch gegen das Gewordene. Aber er zeigt keinen Weg in die Zukunft. Er ist nur der große Deuter der Vergangenheit. Für die Zukunft erwartete er alles von den immanenten Kräften der Wirtschaftsphänomene selber. Nun, diesen Phänomenen hat ja Lenin gehörig nachgeholfen. Aber sein Vorbild reizt mich nicht. Die Weltrevolution war sein Ziel, und Meere von Menschenblut nahm er dafür in Kauf. Grün: Also sind Sie sozialistischer Pazifist? Alfred: Was ich bin, ist Nebensache. Was ich soll, daran allein liegt mir. Gewiß bin ich auch gegen Blutvergießen. Meinen Sie, daß die Araber Ihnen widerspruchlos, kampflos Palästina überlassen werden? Grün: Wie hat neulich Weizmann gesagt? Palästina muß so jüdisch werden, wie England englisch ist. Alfred: Eine echt nationalistische Phrase. Ehe der Satz in Erfüllung geht, wird, fürchte ich, die jüdische Nation so blutig sein wie die englische. Grün: Die Geschichte fragt so wenig danach wie die Natur. Es ist in der Geschichte noch keine große Tat geschehen, ohne daiß der Boden, dem sie entwuchs, mit Blut gedüngt war. 1; 1 :; $ Alfred: Ja, ja. Also sprach Bismarck. Wir haben es weit gebracht. —- Hurtig: Herr Roden, ich habe die ganze Zeit geschwiegen. Ich1 möchte Ihnen aber jetzt von meinem besonderen Standpunkt aus auf Ihre Fragen antworten. Ob Ihnen die jüdische Nation sagen kann, wie Sie leben sollen? Sie kann es. Die Thöra, die Ihnen die jüdische Nation überliefert, zeigt Ihnen den Weg Ihres Lebens.