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Nahalat tsevi · 1930-12-01 · Heft 2 (Dezember 1930) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 2 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 67 (sequence 37)
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67 Vater: Ich glaube gar nicht, daß alles einen Sinn haben muß. Es ist auch viel Schicksal daran. Viel Gewordenes. Da kann man nicht immer nach Warum und Wozu fragen. Und ganz gewiß nicht in Deutschland, dem eigentlichen Land des Gewordenen. Die Vergangenheit ist oft viel stärker als die Gegenwart. Und schließlich kann man auch nicht bestreiten, daß wir Juden ein eigenartiger Menschenschlag sind. Warum nennst du das Juden ohne Judentum? Mein Judentum ist meine besondere Weise, auf die Welt zu reagieren. Im Denken und Fühlen und vielleicht mehr noch im Unbewußten liegt es. Früher habe ,ich geglaubt, daß sich das alles wie ein Kleid abtun lasse. Heute weiß ich es besser. Aus seiner Haut kann man nicht heraus. Wenn es uns bestimmt ist, allmählich im Deutschtum aufzugehen, so habe ich nichts dagegen. Aber so etwas überläßt man am besten der Entwicklung. Wozu sich darüber den Kopf zerbrechen? Alfred: Aber vielleicht liegt im Judesein doch so etwas wie eine — wie soll ich *sagen? — wie eine Berufung? Oder doch wenigstens eine bestimmte Methode der Lebensführung? Vater: Ach Stuß. Alfred: Ich meine nur so. Es wäre doch schön, wenn es so etwas gäbe. Mindestens sollte man es einmal prüfen. Weißt du wirklich sonst gar nichts vom Judentum? Ist das alles, was du mir da gesagt hast? Vater: Nun hör’ mal, Alfred, was geht eigentlich mit dir vor? Bist du krank? Alfred: Ich weiß nicht. Lache mich nicht aus, aber ich glaube, ich habe Angst vor dem Leben. Vielleicht ist das auch eine jüdische Eigenart. Vielleicht liegt es in der Zeit. Die Jugend von heute möchte sich ganz gerne führen lassen, wenn sie nur einen Führer findet. Führe mich doch, Vater. Vater: Wohin? Alfred: Zunächst zum Judentum. Daß ich weiß, woher ich komme, und daß ich weiß,;wer ich bin. Vater: Das kann ich nicht. Davon weiß ich selber zu wenig. Zu meiner Zeit hat es das nicht gegeben. Alfred: Schade. Vater: Zu meiner Zeit hat man das alles nicht so schwer genommen. Alfred:-

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