Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 34 (sequence 4)
- Belongs to
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los gepriesen wurden und, bei aller Verbeugung vor der Austrittgemeinde, die orthodox-liberale Qroßgemeinde als mindestens diskutable zweite Möglichkeit erstand, wie sich jüdisches Gemeinschaftsleben, von der Thora gebilligt, vollziehen könne. Bekennen wir es nur offen: wir sind der heutigen Jugend viel schuldig geblieben. Wir haben sie vor allem nicht wissend gemacht. Gehe doch jemand einmal selbst in Frankfurt zur Jugend der Austrittgemeinde und frage sie etwa nach dem letzten Rabbiner der alten Frankfurter Gemeinde: unter fünfzig wird kaum einer auch nur den Namen nennen, unter hundert kaum einer wissen, daß er sein Amt dem Vorstand vor die Füße geworfen hat, als man ihm ansann, neben sich einen neologen Geistlichen als ״Kollegen“ zu dulden. Weiß sie, daß dann eine Zeit kam, in der es in Frankfurt kein Gran Koscherfleisch mehr gab, kein Frauenbad, keine Thoraschule, daß Polizeigewalt, vom Vorstand gelenkt, die Lehre des Talmud verwehrte? Weiß sie, daß also das Gebilde aussah, das sich ״Israelitische Gemeinde“ nennt, das freilich im Munde der Väter nur das ״trefene Kahal“ hieß, inzwischen aber ״koscher“ geworden sein soll, weil es neben die Kanzel neologer Geistlicher auch eine fromme Kanzel errichtet hat? Weiß sie, daß gerade dieses ״Nebeneinander“ den letzten Frankfurter Einheitsrabbiner in Amtsniederlegung und Tod getrieben hat? Hat sie eine Ahnung von den verzweiflungsvollen Anstrengungen unserer Väter, wenigstens die Reinheit der ״Kille“ zu retten, wenn sie schon dem Abfall der Einzelnen nicht zu steuern vermochten? Kennt sie überhaupt das Wesen einer jüdischen ״Kille“, die keine Menschengründung ist, sondern Gottes Stiftung, die kraft des Rechtes der Thora an jedem Ort, wo Juden wohnen, unzerstörbar wie die Thora selber besteht und von Menschen nur verwirklicht oder gehemmt, aber niemals gegründet oder aufgehoben oder gar dermaßen umgestaltet werden kann, daß auf ihrem heiligen Boden Raum auch für den Verrat an der Thora vorhanden sei? Hat man ihr selbst nur einen Hauch jener Stimmung bewahrt, die unsere Väter ganz und