Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
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Ein Satzungsentwurf von Rabbiner Hirsch. Mißtönend klingi im Ohr der heutigen Generation das Wort von der Austrittgemeinde. Sie hat kaum eine Ahnung mehr, daß die Austrittgemeinde mit dem Herzblut ihrer längst heimgegangenen Väter geweiht ist. Noch ist im Schweizervolk das Bild des sagenhaften Wilhelm Teil lebendig, und wer an die Freiheit des Schweizervolkes zu rühren wagte, möchte schnell an der eisernen Menschenmauer zerschellen, die liebende Erinnerung und die nie unterbrochene Tradition um das von den Ahnen mit unermeßlichen Opfern errichtete Werk schützend bestellt hat und immer wieder erneuert. Aber bei uns ist es anders. Wenige Jahrzehnte friedlichen Besitzes, wenige Jahrzehnte liberaler Konzessionsbereitschaft, zionistischer Einheitspropaganda haben genügt, um das Band zwischen den Vätern und uns zu lockern und das tiefste Wesen der Austrittgemeinde unserem Gemüt zu entfremden. Die Austrittgemeinde, urawo ben einst von der glühenden Liebe der Väter —: wie viele sind es noch, selbst unter den Ausgetretenen!, die sich zu ihr als der trauten Heimat ihrer Seele bekennen? Bekennen wir es nur offen: wir haben uns alle am Erbe der Väter versündigt. Zu sehr hatten wir uns auf die Selbstverständlichkeit der Tradition verlassen und hatten nicht bedacht, daß sie in einem Lande, das seine Juden allen Einflüssen von außen preisgeben muß, besonderer Pflege bedarf. Zu lang auch hatten wir schweigend geduldet, daß in unsere eigensten Reihen der Gedanke getragen wurde, restlose Identifizierung mit der Austrittgemeinde bedeute Abschnürung von der Gesamtheit, bedeute Unfähigkeit zur Errichtung der jüdischen Weltgemeinde; schweigend geduldet, daß in unseren eigensten Organen die orthodoxen Institutionen der Reformgemeinden kritik-