Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
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Jüdifche Lebensweihe I. Von Rabbiner Dr. Joseph Breuer. In fchlichier Darftellung und zwanglofer Folge möchten wir den Nachweis erbringen, welche unfchäizbare Bereicherung untere jüdifche Lebensanfchauung durch Auswertung der in den Werken Rabbiner Hirfchs זצ״ל niedergelegten Fundamental- Wahrheiten erfährt. Dab Geift und Seele einer heranwachfenden Jugend fidi ihnen empfänglich erfchliebi und erfehnte Lebensnahrung in ihnen findet, hat langjährige Erfahrung mir ftets aufs neue gezeigt. Auch dem oberflächlichen Beobachter entgeht es nicht, welch ungewöhnliche Weihe über jüdifches Leben ausgebreitet liegt und allen Momenten des Lebens das Gepräge verleiht. Und die Entfremdeten, die im tollen Raufch der Stunde diefes Leben von fleh gewiefen haben, wären fie der Befinnung zugänglich - ach, die wenigften find es -, wären fie ehrlich zu lieh felber, zögen fie es nicht zumeist vor, fich felber zu belügen, fich fo lange wie nur möglich im Zustand des Raufches und der Selbfttäufchung zu erhalten, fie würden mit jähem Schrecken erkennen, wie weihelos und inhaltlos das Leben ist, das fie ergriffen, wie erbärmlich oft die Ziele, für die fie mit dem Einsatz ihres Lebens kämpfen. Wie kommt es, dab dem jüdifchen Leben diele ungewöhnliehe Weihe innewohnt und ihm folange bewahrt bleibt, als nicht gedankenlofe Gewiffenlofigkeit diefes Leben zu einem Hohn auf jüdifches Leben verzerrt? Weil jüdifches Leben jeden Augenblick des Dafeins unter einem höheren Gedanken begreift, weil es e i n höchstes Lebensziel, eine grobe, heilige Lebensaufgabe ist, dem jeder Pulsfchlag des Herzens, jede Regung der Seele, jeder Splitter der Habe vom ersten bis zum letzten Atemzuge dient. Das Leben jedoch, das drauben fich abwickelt und jeden in seine Wirbel reibt, ift eben nur zu fehr geeignet, die Weihe des jüdifchen Lebens zu morden. Und es ift nicht allein das fremde, unjüdifche Leben, das uns mit feinen Einflüffen umdrängt, ln uns felber lauern die Feinde des jüdifchen Lebens, gegen die fich zu wappnen Selbflerhallung gebieterifch fordert, fo wir nicht Gefahr laufen wollen, unfer Köftlichftes fchmählich zu verlieren: und es ift die Gedankenlofigkeit und die Bequemlichkeit, die Schwäche und das Streben, es anderen