Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- I (5691) 1930/31
- Issue
- Heft 1 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Belongs to
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— 16 — werden. So entstand für den nur oberflächlich schauenden ' ־ " > Beobachter das Bild, als handelte es sich um den Versuch des .Westens, den Osten für die auch im Westen fast nie ganz geklärte, fast nie ganz erfaßte ״westliche“ Lösung des תורה עם דרך ארץ-Problems zu gewinnen, Religion und Kultur. Um diesem Mißtrauen zu begegnen, wurde die Norm von der Autonomie der Länder geprägt. Nun soll die Agudas Jisroel zeigen, daß — äußerlich tritt das in der einzigartig prävalierenden Stellung des rabbinischen Rates in Erscheinung — über alle Differenzen der Minhagim ,hinweg, auch losgelöst von den Erziehungsidealen und Erziehungszielen der einzelnen Länder, das Judentum1, das Leben der Thora und das Leben in der Thora der einzige bestimmende Faktor der Juden heit ist. Um aber diesem ideellen Wollen einen konkreten Ausdruck zu geben, mußte Agudas Jisroel wiederum die alte Gemeinde wiederherstellen, die Gemeinde als Lebenswirklichkeit des Judentums. Es ist der tiefste Sinn des Sollens der Agudas Jisroel, daß sie sich erfüllt sehen darf, wenn sie die Gemeinde dem Judentum wieder erobert, dem fast transcendentalen Gedanken der gegenseitigen Verantwortlichkeit der jüdischen Individuen, der sie eine neben-, nicht außergemeindliche Organisation zu geben versucht hat, in der Gemeinde den alten Mittelpunkt rekonstruiert;hat. Ob die Summe der also neugeschaffenen Thoragejneinschaften sich dann der Agudas Jisroel als Ausdruck einer übergemeindlichen Organisation bedient, das ist eine Frage!geschichtlicher :Entwicklung. Allein die Wirklichkeiten zwangen Agudas Jisroel, auch die Lösung von Unterwegsauigaben in ihr Sollen einzubeziehen. Es war und ist nun einmal eine Gegebenheit des Augenblicks, daß es Gesamtaufgaben der Judenheit gibt, politische Not- Wendigkeiten in Exilsländern und in und für Palästina. Das Sollen der Agudas Jisroel besteht darin, in all diesen Fragen zu sagen und zu vertreten, was das Judentum, sagen wir die Seele der Judenheit, verlangt. Damit ist aber auch das Verhältnis zu anderen Organisationen gekennzeichnet. Es kann die Seele nie auf ihren Ursprung, auf ihre Ewigkeitswerte verzichten. Es ringt die Seele um Geltung und um Führung. Für das Judentum reklamiert Agudas Jisroel die Führung in allen jüdischen Belangen. So ist der Rahmen beschaffen, eingespannt in den Webstuhl der Zeit. P. K.