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Nahalat tsevi · 1930-11-01 · Heft 1 (November 1930) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
I (5691) 1930/31
Issue
Heft 1 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 16 (sequence 18)
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ווו 16 ־־* Gemeinde zu rekonstruieren, denn die Zweckverbände durften schließlich hierbei außerhalb der Betrachtung bleiben. Dazu kam, daß die fortschreitend zur Wirklichkeit gewordene staatebürgerliche Emandpation die Gemeinde immer mehr und mehr auf das Kulturelle beschränkte. Da aber das Kulturelle (an und für sich Differenzpunkte enthielt, die Rer form hingegen die Liturgie einheitlich uniformierte, so wurde ־ es noch!schwerer, der Orthodoxie eine ideologisch einheitliche prganisation zu geben. Da endlich trat mit ungeahnter Wucht ein alter Gedanke in neuer Form auf, der geeignet schien, der Judenheit eine gemeinsame Plattform zu geben. Dies war die Anticipation der in der prophetischen Verheißung gekennzeichneten Wieder- Vereinigung aller Glieder der jüdischen Gesamtheit auf einem Boden. Für das Innenleben bedeutete dieser Gedanke erst recht eine Flucht aus der Gemeinde. Indem das Individuum seinen Mittelpunkt in einer übergeordneten Oroganisationsform des Ganzen erblickte, wurde ihm der bisherige Ausdruck der Gemeinschaft mehr und mehr wertlos. War bisher die Gemeinde ein fast durchaus politisches Judentum, so erzwang, die neue Organisation eine Politisierung der Judenheit. Das Judentum drohte organisationsmäßig heimatlos zu werden. Diesem exilierten Judentum eine geschichtlich gesicherte Heimstätte wiederzugewinnen, ist Inhalt des Sollens der Agudas Jisroel. Denn man mag in den Kämpfen des Tages welche Schlagworte auch immer prägen und künden, wesentlich bleibt stets nur dieser einzige Gegensatz: Judentum oder Judenheit, letztere die im Wechsel der Generationen ewig lebenden Individuen, ersteres mit dem Anspruch, als Ewigkeitswert lebensbestimmend für das Individuum zu sein. Was die Reform nur leise tastend hatte ankiingen lassen, das brauste im Zionismus in gewaltigen Accorden durch die jüdische Welt: Befreiung der Judenheit vom Judentum, dem auch in der erträumten neuen Gemeinschaftsform im besten Falle der bescheidene Platz eines Geduldeten zugebilligt wurde. Das Ewige wurde exiliert. Diesem Ewigen den Augenblick wieder unterordnen, das soll die Agudas Jisroel. Aber kann eine Bewegung lebender Menschen den Augenblick negieren? Sicher nicht, das haben auch die Propheten nicht getan; eigentlich war ihres Wirkens Inhalt, ihr Weg zum Volk, daß sie den Augenblick als eben nur augenblicklich kenn-

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