Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-06-01 · Heft 6 (Juni 1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 6 (Juni 1922)
Date
1922-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2550626-2550658-2550662--593-2551329
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft iüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 6 Juni 1922 4. Jahrgang y«hattr Erklärung. - Delegiertentag. - Oudentum und Pazifismus, von eand. lur. Botho Laferstein-Berltn. - Glaube und Gesetz, von Dr. Ernst Hirschberg-Berlin. - Bon der inneren Wahrhaftigkeit, von Arthur Danztger-Derlin. - Schrifttum und Literatur, von Rodert tzlrschfeld« Berlin. - Derelnsberichte voin M-Kreuzburg und Ni-Ratibor. - Spender-Liste. - Dsreinsadressen. Mit der vorliegenden Rümmer habe ich die Haupt» j i schriftleitung der „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft »! jüdisch-liberaler Iug endvereine" übernommen. Ich! j habe mich hierzu in der Erwartung entschlossen, daß alle ] | Mitglieder und Freunde unserer Bewegung.auch weiterhin i! an dem Ausbau dieser Zeitschrift Mitarbeiten werden. l j Die Mitteilungen sollen die geistigen Strömungen ) [ innerhalb der jüdisch-liberalen Iugendvereine widerspiegeln J { und von dem Stand unserer Bewegung berichten. Hierzu l ) ist es erforderlich, daß die Mitglieder der IliS tu ihnen | t offen ihren Standpunkt bekennen. Ich werde bei meiner [ t Redaktionstatigkeit Toleranz üben und jede Anschauung l | zu Worte kommen lassen» die dem Geiste liberalen Juden- | i tums entspricht. Die vertretenen Ansichten werden selbstj | verständlich nur die persönlichen Meinungen der Verfasser! | der einzelnen Artikel sein. | j So mögen die Mitteilungen auch in Zukunft nicht > > nur ein Spiegelbild sein, sondern Förderer unseret ] liberalen Judentums. j | Berlin, im Juni 1922. I j Diplom-Ingenieur Bruno Woyda. * aooott&aoaaooaaac; in* ' > Doranzelge. Der 4. Delegiertentag der AN Deutschlands findet verbunden mit dem 10 jährigen SttftungSfest deS Akt zu Breslau m 24., 2$. u.2ö. Degeraber 1-22 ziiWslsii fta«. Als Verbandsthema soll „Librrsles MöentW iilsheorlr linöWO" von Frl. Ellen Litlmann und Herrn Diplom-Ingenieur Bruno Woyda-Berlin behandelt werden. Anträge, die auf die Tagesordnung des Delegiertentages gesetzt werden sollen, sind bis spätestens 15. Oktober dem Verbandsbüro, z. H. des Herrn Alfred Berger, Breslau 7» Höfchenstratze 61, einzusenden. Nähere Mitteilungen folgen. Wir erwarten bestimmt die Vertretungen aller Verbandsvereine in Breslau. Für Unterkunft der auswärtigen Delegierten in Privatquartieren wird gesorgt. Auf Antrag ist der Verbandsvorstand auch bereit, zu den Fahrkosten Zuschüsse zu gewähren. Mit Verbandsgrüßen Der Arbeitsausschuß des Berbandsvorstandes Erich Bayer, Berbandsvorsttzender Breslau, Karlstrcche 13. Bruno Woyda, Diplom-Ingenieur Berlin R 37, Prenzlauer Allee 6. Alfred Berger, Breslau, Höfchenstratze 61. Äübische Weltanschauungsfragen öuöentum und Pazifismus. Von eand. iur. Botho La ferste in-Berlin. Lin Zug tiefer innerer Unwahrhastigkeit geht durch die zeitgenössische Iudenheit. Dder, von der negativen Seite gesehen: der Antisemitismus hat, im Geistigen, einen großen Erfolg errungen. Linen Erfolg, dessen Tragweite noch garnicht abzusehen ist, einen Erfolg, wie er ihn nie erhofft hat, und wie er ihn auch bis jetzt noch nicht ins Bewußtsein gedrungen ist. Hat er doch, durch die Unermüdlichkeit seiner Propaganda, erreicht, daß auch wir Juden uns daran gewohnt haben, unsere Stellungnahme zu den weltbewegenden Problemen zu einem guten Teil durch die Rücksichtnahme auf ihn bestimmen zu lassen. Wenn ich es nun auch verstehen kann, daß wir darum besorgt sind, unsere geringe Beteiligung an asozialen Erscheinungen dieser Zeit zu erweisen, so wird es mir immer unbegreiflich bleiben, wie sich ein selbstbewußter Mensch in weltanschauungsfragen vor Pöbelinstinkten verbeugen kann. Denn nur wenn wir unbeirrt unseren Kampf um Geistigkeit und Menschenwürde weiterkämpfen, wenn wir forischreiten auf dem Wege, der unserer Ueberzeugung nach zu verbesserten Daseinsformen führt, dürfen wir darauf hoffen, der Massenverhetzung Einhalt gebieten zu können. Dies vorauszuschicken, war notwendig, wenn wir einmal ganz objektiv das Problem prüfen wollen, inwieweit die jüdische Religion mit jenen Strebungen sympathisiert, die wir unter dem Namen „Friedensbewegung zusammenfassen. wenn wir nämlich von einigen Vorträgen absehen, die diesem Thema gewidmet waren, so steht eine ausführliche Untersuchung darüber noch aus. Der umfangreichen Literatur über „Pazifismus und Christentum , in der u. a. Namen wie Lberle, Friedrich Wilhelm Foerster, Prälat Gießwein, Kaplan Jocham, Nithak-Stahn, Umfried, Harnack und Böhme vertreten sind, haben wir nur einen kleinen Aufsatz Loudenhove-Kalergis und ein Flugblatt des Gberkirchenrats Dr. Kroner gegenüberzustellen. Daß sich die jüdischen Schriftsteller diesem Problem gegenüber so abwartend verhielten, ist umso bedauerlicher, als selbst uns wohlgesinnte und über jeden verdacht judenfeindlicher Regungen erhabene Pazifisten (zumal die Inferiorität der jüdischen Religion gegenüber der christlichen zum Dogma der letzteren geworden ist) die kriegssreundliche Tendenz des Alten Testaments als Beweis seiner ethischen Minderwertigkeit gegenüber dem Neuen Testament anführen. So sagt Pfarrer Böhme'*), cm der bekannten Stelle im zweite» Bande der Schrift „Die Waffen nieder" von Bertha vo» Suttner vertrete der Geistliche „kein reines Christentum, sondern ein Iuden-Christentum", wenn er sich zugunsten der Krieges auf die Buchstabenreligion des Alten Testament- *) Krieg und Lhrislentrmi, Stuttgart 1906, S. 4.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.