Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r- 35 Und das war van großem wert, denn so erst tonnten wir wirklichen inneren Anteil an den Dingen nehmen, die uns die hagada erzählt. Daß Herr Rechtsanwatt Stern, dem unser aller Dank, gebührt, es verstanden hat, Gesänge wie hallel, Schir hammaalaus, Adir hu, das Zahlenlied und das Lied vom Lämmchenauch in der Ursprache, in den alten weisen, rviederzügeben) gab dem Abend eine vollendete Harmonie. Doch wollten wir derer vergessen, die diesen Abend praktisch zur Verwirklichung führten?—VOix&<mfen allen freiten, die uns den wesentlichen Teil der Mittel zur Verfügung gestellt haben, und wir danken vor allem einigen Mitarbeiterinnen aus unseren Reihen, die uns in dieser Hinsicht schon von den Freitagabenden her bekannt sind, und sich an diesem Abend mit solch aufopferungsvollem Eifer betätigt haben, wie er eben nur aus wahrer, echter Liebe zur Sache entspringen kann. Wohl jeder der etwa zwanzig TeÜnehmer wird diesen Abend im Gedächtnis behalten. Möge ein jeder dazu beitragen, dem Sederabend wieder Geltung in den jüdischen Häusern zu verschaffen und damit ein Stück jüdischen Lebens, sagen wir ruhig, ein Strick Judentums, einkehren zu lassen! vereinsmitteilungen. Bericht des M^Siegnitz. Das verflossene Vereinsjahr stand unter dem Zeichen intensiver Arbeitstätigkeit. Regelmäßig alle vierzehn Tage fanden Vortragsabende statt, mit wissenschaftlichen Referaten, öfters jedoch auch in kürzerer Zeitabschnitten. Besonders der Breslauer Bvudewerein hat unsere Vereinstätigkeit durch regste Antellnahnre und Stellung von vorzüglichen Rednern aufs beste gefördert. von den stattgefnndenen Referaten erwähnen wir nur: hirschfeld, Berlin, über die „hagada". Adolph Metz, „Phantasien in der Religion". Besonderes Interesse erregten die tiefgründigen, sich auf mehrere Abende verteilenden Referate des Herrn Bayer, Breslau, über: „Die Idee des religiösen Idealismus in der Geschichte des Judentums", und die Referate des Herrn Rechtsanwatt Dr. Scheyer über: „Die Entwickelung der Rechtsstellung der Juden in Preußen". Auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz, wir konnten unter Leitung des Herrn Georg Braun zwei Feste stattfinden lassen, die jedesmal den besten verlauf nahmen und auch unsere Kasse wesentlich stärkten. Einen schweren Verlust erlitt unser Verein durch das Ableben des Herrn Fabrikbesitzers Schneider, der jahrelang unserem Vorstande, als Delegierter dem liberalen hauptverein angehörte. Am \8. März fand die Generalversammlung statt, die die Wiederwahl der Herren Scheyer und Naumann und von Fraulein Hertha Lohn ergab, während für die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder die Damen wiener vund Liebrecht und die Herren Braun, haurwitz und M e t h i s gewählt wurden« Unser langjähriges Vorstandsmitglied Fraulein TrudeSchneider mußte leider zu unserem größten Bedauern aus Familiengriinden eine Wiederwahl ablehnen. Die Beiträge wurden erhöht, doch bezahlt der größte Teil unserer Mitglieder mehr als die vorgeschriebenen Mindestsätze. wir sind mit ftischem Mut in das neue Vereinsjahr eingetreten. Naumann. Tätigkeitsbericht des M-Derlin. Der Berliner Jli sieht auf ein Vereinsjahr zurück, das ihm eine Erholung von der Depression des vorigen winters gebracht hat. Zwar sind wir selbst noch weit davon entfernt zufrieden zu sein, aber wir glauben, in diesem Winter die Grundlage zur Weiterentwicklung gelegt zu haben. Der Besuch unserer Veranstaltungen hat sich gegen das Vorjahr nicht unbeträchllich gehoben, ist aber immer noch nicht befriedigend. " ' Im Mittelpunkt unseres Vereinslebens habe« nach wie vor die Vorträge gestanden, die alle 14 Tage in unserem heim stattfanden. Am häufigsten waren natürlich die religiösen Inhalts. So sprachen z. B. Herr Rabbiner Dr. Loblenz über „Das Irrationale im Judentum", Herr Rabbiner Dr. Baeck, nachdem ein Vortrag des Herrn Pfarrer Dr. Bleyer über „Das Wesen des Lhristentums" vorangegangen war, über „Das Wesen des Judentums", Herr Hirschfeld über „positives Judentum", Herr Prof. ^Suttmann über „Die jüdischen Schöpfungsgedanken". Außerdem erfreute uns Herr Mbeckantor Davidsohn durch einen von Gesängen begleiteten Vortrag über „Gesänge und'Melodien an den hohen Feiertagen". Daneben standen einige Abende, die jüdischen Tagesftagen (Gfijudenftage, jüdische Schulen, Nationaldeutsches Judentum) gewidmet und durchschnittlich schlechter besucht waren, sowie einige Abende literarischen oder künstlerischen Inhalts. Line Neuerung in unserem vereinsleben bedeutete die Einführung der Freitagabend-Feiern in unseren Heimen. Sie haben den ganzen Vinter hindurch regelmäßig jeden Monat einmal stattgefunden. Sie sind wohl allgemein als eine wertvolle Bereicherung unseres Vereinslebens empfunden worden. Ebenso hat ein in unserem heim verlebter Änderabend, dessen Zustandekommen wir der unermüdlichen Arbeit einiger unserer Damen verdanken, alle Teilnehmer ttef befriedigt. Neben unserer inneren Vereinsarbeit haben wir »ufe« Interesse auch wieder der Mitarhett im Liberalen verein zugewendet. Vir sind da besonders an dem Zustandekommen der gegen den Keren-Hajeffod gerichteten Resolution lebhaft beteiligt gewesen. Für das nächste Jahr wird es wesentlich darauf ankommeir, den Kreis der Teilnehmer an unseren Veranstaltungen und der eigentlichen Mitarbeiter zu erweitern. Im Winter steht uns die starke Belastungsprobe der Wahlen zur Reprasentanten-Versammlung bevor, hoffentlich sind wir dann gerüstet! Tätigkeitsbericht des Ali-Breslau. Lin arbeitsreiches Winterhalbjahr ist z« Ende. Reber die Tätigkeit des Jli bis zur Generalversammlung Lude Januar ist bereits berichtet worden. Anfang Februar fanein Diskussionsabend über das Thema: „Religiöse Erneuerung" statt. Herr Gem.-Rabb. Dr. Vogelstem leitete durch kurze Fragestellung den Abend ein, und eine stattliche Zahl von Diskussionsreden bewies, wie großes Interesse unsere Mitglieder an dem Thema nahmen. An einem zweiten Abend beschloß Herr Dr. Vogelstein seinen Vortragszyklus über „Abraham Geiger", wieder einmal war uns die überragende Persönlichkeit Geigers plastisch vor Augen geführt, wieder war mit allem Nachdruck gezeigt worden, wie sich auf Geigers Anstauungen unser heutiges liberales Judentum aufbaut. Herr Dr. Guttmann legte in einem vortrage seine „Gedanken über religiösen Liberalismus" dar, und Herr Dr. Davidsotxn sprach in Fortsetzung seines Propheten-Zyklus über Jesaja. Herr Rabb. Dr. Saenzer sprach zweimal bei uns. Am ersten Abend gab er interessante Schilderungen über die Juden iu Rumänien, die er bei seiner Tätigkeit als Feldrabbiner kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Am zweiten Abend sprach er über das Purimfest, während den Vortrag über das Passahfest und die hagadah Herr Religionslehrer Dr. Davidsohn hiett. „Die Idee des religiösen Liberalismus in der Geschichte des vorexilischen Judentums" hatte sich Herr Erich Bayer zum Thema gewählt, und Herr Dr. Naumann, Liegnitz, sprach über „Bismarck und die Juden". Ganz besonderem Interesse begegnete der Vortrag des Herrn Pastor Möhring über „Rechte und Grenze des religiösen und theologischen Liberalismus". Die hervorragenden Ausführungen des Redners und die geistvollen Diskussionsreden der Herren Dozent Dr. Lewkowitz und Gem.-Rabb. JL*. voLelSein fanden bei dem Überaus sMen ZMrettreis^ i