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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · page 1

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 5 Mai 1922 4. Jahrgang Sahalti Dom liberalen Judentum, von «llen Littmann, kM-Berltn. - Anse, Sederavenb, ,von Joseph Wetnsaft-Berttm — Deretnsmitteilunge« (Liegnitz, Berlin, Breslau, Münster). - Spender-Liste. - Adressen. vom liberalen Judentum. Bon Ellen Littmann, Jli-Berlin. Herr Rabbiner Dr. Gold mann-Leipzig hat auf der Versammlung der „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" ein Referat „Ueber objektiven und subjektiven Liberalismus" gehalten, das in einer der letzten Nummern des „Liberalen Judentums" wiedergegeben ist. In einer Gegenüberstellung von, Liberalismus und Orthodoxie zeigt Herr Dr. Goldmann, wie es das Wesen des Liberalismus sei, lediglich gegen den Formalismus zu kämpfen: „weder greift der Liberalismus die Tatsache der Offenbarung an, noch wendet er sich gegendenLhärakteralsGesetzesreligion. Nicht geht er an die Grundlagen d es Glaubens und seine Ausdrucksformen, sondern er beginnt viel tiefer (?) dort, wo es sich um „die unleugbaren Schäden des formalistischen Prinzips handelt. Da wären wir also so weit, wie wir vor 20, 30 Jahren auch waren, und einer unserer „führenden" liberalen Rabbiner gießt gewissermaßen Wasser auf die Mühlen der Orthodoxie, die uns von vornherein bekämpft hat, mit der Parole: Liberalismus ist nur ein Minus gegenüber der Orthodoxie. Wohl liegt auch für Herrn Dr. Goldmann in der Unterscheidung zwischen richtigen und unrichtigen Formen eine wesentliche Differenz zwischen Orthodoxie und Liberalismus. Aber es ist doch mehr oder weniger ein äußerlicher Unterschied, kein wesenhaft religiöser. „Jede Reakrion auf den Formalismus, die Offenbarung oder. Gesetzlichkeitsprinzip anlastete, führte stets aus dem Judentum heran s." Mit dieser Feststellung hat Herr Dr. Goldmaün, meines Trachtens nach, dem Liberalismus jegliche Grundlage zenommen. Erkennen wir diese Feststellung an und halten wir sie als gegebene Tatsache fest, dann würde der Liberalismus allerdings seine Existenzberechtigung verlieren, dann würde er wirklich zu einem Minus gegenüber der Orthodoxie werden, wie kann ein liberaler Jude das formalistische Prinzip angreifen, ohne die Idee anzugreifen, aus der dieses Prinzip fließt! Und dieser Formalismus ergibt sich für die Orthodoxie folgerichtig aus dem Begriff der Offenbarung, den zwar Herr Dr. Goldmann abschwächt, indem er sagt, die Thora sei Gottes Offenbarung ihrem Geiste, nicht aber ihrer äußeren Form nach. Aber Herr Dr. Goldmann schwächt diesen Begriff eben nur ab, während der Begriff Offenbarung für den liberalen Juden ein vollkommen anderer ist. Zum Beweise will ich Herrn Rabbiner Dr. Rorden-Llberfeld zitieren, der in seiner Schrift: „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums" in dieser Frage folgenden Standpunkt einnimmt: „wenn wir den zum Teil recht bedeutenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden religiösen Richtungen auf den Grund gehen, so stellt sich heraus, daß es letzten Endes ein einziger Begriff ist, um den sich die Verschiedenheit der religiösen Anschauungen dreht; der Begriff der göttlichen Offenbarung. Aus der Verschiedenheit der Ansichten über diesen Punkt ergeben sich dann von selbst alle sonsttgen Meinungsverschiedenheiten. Die Orthodoxie lehrt, die Thora, die Lehre Moses, sei von Gott geoffenbart; Gott habe mit Mose gesprochen „von Angesicht zu Angesicht", und ihm die Gebote und Verbote, die die Bibel enthält, mitgeteilt, desgleichen die näheren Erläuterungen zu ihnen, wie sie sich in dem nachbiblischen Schrifttum finden. Im Sinne der Orthodoxie ist also die Thora dem Mose gewissermaßen in die Feder diktiert. Daraus ergibt sich dann als natürliche Folgerung, daß jedes Wort der Thora „göttlich" ist. Ls wäre demgemäß eine Anmaßung und Ueberhebung sondergleichen, wollte der sterbliche Mensch es wagen, auch nur an einem Buchstaben der in diesem Sinne aufgefaßten göttlichen Lehre zu rütteln, wollte er sich erlauben, eine ihm noch so unwichtige Stelle, wie etwa dis Bemerkung: „Thimna war das Äebsweib des Llifas, des Sohnes Lsaus" ((. B. M., Kap. 36, (2 ff. Talmud, Traktat Sanhedrin 99a}) geringer zu bewerten, als den erhabenen Ausspruch: „Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig", (s. B. M., Aap. e, <$.) AuchderLtberalismu s glaubt an ei ne Offenbarung, aber in einem ganz anderen Sinne. Ihm ist alles Große und Bedeutende, alles Edle und Gute, was Menschen jemals auf Erden geschaffen haben, nichts anderes, als eine Offenbarung des Gottesgeistes an den Menschengeist. Und als eine der gewaltigsten Offenbarungen aller Zeiten gilt ihm diejenige, die einst unfern Ahnen am Sinai zuteil geworden ist. Lr erkennt die Stunde, in dem Mose seinem Volke die zehn Bundesworte verkündete, als eine der bedeutungsvollsten Stunden an in der Sittengeschichte, der Kulturgeschichte, der Religionsgefchichte der gesamten Menschcheit. Nicht aber glaubt der Liberalismus, daß der Inhalt der ganzen heiligen Schrift göttlich ist. Lr ist vielmehr davon überzeugt, daß Menschen, hochbedentende, von göttlichem Geiste beseelte, auf hoher warte sittlich-religiöser Weltanschauung stehende Menschen, aber immer doch nur Menschen die Schrift verfaßt haben. Und er nimmt es als ein Recht in Anspruch, ja er fordert es als eine heilige Pflicht, daß wir uns der von Gott verliehenen Vernunft bedienen, um in der heiligen Schrift, die uns als ewig erscheinenden Wahrheiten und sittlichen Grundgeboie streng zu unterscheiden von den Glaubensvorstellungen und den Erscheinungsformen, die nach unserer festen Ueberzeugung dem Wandel der Zeiten unterworfen sind." Ls ist also der Begriff der Offenbarung zu etwas ganz anderem in der liberalen Auffassung vom Judentum geworden. Man kann als liberaler Jude nicht von der einmaligen Offenbarung, von der Tatsache der Offenbarung sprechen. Offenbarung im liberalen Sinne kann jeden» Menschen zuteil werden »nd wird es auch, nur daß diese Offenbarung, die jedem zuteil wird, wenn er — oft nach

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