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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1922-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1922) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1922
Issue
Heft 1-3 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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— 11 — Wir Jungjuden, wir Jungen überhaupt, streben nach der Einheit, die es nur einmal und ewig gibt und geben kann, und so wollen wir auch in unserem Judentum diese Einheit wiederfinden, nur dann kann uns unsere jüdische Religion wahre Religion sein, echte Heiligung unseres Lebens, tiefste Gotteserkenntnis und höchster Menschheitsdienst! Darum noch einmal: Fort mit jeder Theorie, fort mit jedem Dualismus und jeder Vielheit, Religion und Leben sei uns Einheit, unser Judentum sei uns e i n J u d e n t u m der Tat! Aus Bibel und Schrifttum, Der LebensquelL Jeremia 2,13. „Mein Volk hat zweifachen Frevel verübt: mich, den Quell lebendigen Wassers, verlassen sie, um sich Brunnen zu hauen, geborstene, löchrige, die das Wasser nicht halten/4 (Aus: „Erneuerung und Erfüllung des wahren Judentums." Von Dr. Egon Guttmann-Breslau. Juda ist abgejrrt vom wahren Wege! In der Diaspora aber, in der wir leben, sollen wir ein Sauerteig für die Menschheit sein. Wohl scheint hie und da die erhellende Flamme prophetischen Geistes noch schüchtern emporzuzüngeln, indes das Totengebein, wie Ezechiel es malt, ist noch ohne Fleisch, Blut und Leben. Der Geist Judas, „Der Quell lebendigen Wassers", ist versiegt oder verflacht in Kämpfen um mehr äußere als innere Güter: der Gleichberechtigung, Politik um ihrer selbst willen u. a. Es herrscht nicht mehr der A d o n a y, der Lebensquell, in den Herzen. An seiner Stelle hat sich der Intellektualismus breit gemacht, der — anstatt aus jenem höheren Geistesquell seinen Durst zu stillen — aus geborstenen, löchrigen Brunnen'' trinkt, ,,die das Wasser nicht halten". Der gute, rein verstandesmäßige Intellektualismus ist also statt in die höhere Bahn des Geisterkennens einzulenken, wozu er ja eigentlich als dessen Vorstufe uns verliehen ist — dieser Intellektualismus ist abgeglitten in die abschüssige Bahn der niederen Triebe, so der Mammonsrichtung. Nicht allein wir Juden, die Gesamtmenschheit führt auf den Reigen ums goldene Kalb. Verlassen ist der „Quell lebendigen Wassers" ruft schon Jeremia, und Angelus Silesius meint -dasselbe, wenn er sagt: „Wie töricht ist der Mann, der aus der Pfütze trinkt Und die Fontäne läßt, die in ihm selbst entspringt."

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