Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 229 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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abend eingestellt würde. Das lasse sich so regeln, daß die Arbeitsstunden des Sonnabend der bisherigen Arbeitsleistung von Montag bis Freitag zuaddiert würde. Als ich meinen Leuten diese Eröffnung machte — fuhr der Fabrikbesitzer fort— waren sie so begeistert von meiner Idee, daß sie ein» mütig ihre Zustimmung gaben. Die Fabrik wird anderthalb Stunden vor Beginn des Sabbaths geschlossen. Von Freitag bis Montag können alle von der Arbeit ausruhen und über die Zeit schöner Freiheit froh disponieren. Es bedarf wohl keiner zu starken Versicherung des Fabrikbesitzers, 3#ie gern diese Mehrarbeit von Montag bis Freitag geleistet wird. Denn der Lohn der Arbeit ist gar köstlich. Nun werden meine liberalen jungen Freunde mir vielleicht entgegnen, daß der von mir erwähnte Fall eine Ausnahme sei. Ich aber sage: in einem freiheitlichen ^Staat, als den sich die deutsche Republik ansieht, muß jeder Me n.s c h zu sei» r/em Rechte kommen können. Allerdings fallen keinem die Früchte in den Schoß, man muß sie sich selber vom Baume des Lebens holen. Also vorläufig halte ich es nicht für nötig, für eine Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag eine Lanze zu brechen. Ich möchte einmal sehen, wer nicht erfreut wäre, — sei es Jude oder Christ, — von Freitag bis Montag feiern zu dürfen! Der Zustand der Ruhe wird in der jüdischen Welt ganz von selbst, wenn vielleicht auch langsam!, die Sehnsucht nach religiöser Erbauung und Belehrung er* wecken und dam Sabbath die Wege ebnen, um das Alte mit jugendfrischem Glanz gegenwärtigen religiösen Erlebens zu erfüllen. Das ist für den 11 i eine Arbeit, für die ihm d i e ganze Judenheit zu ewigem Dank verpflichtet sein wird: ein Stück sozialer Ethik in der schönsten Bedeutung der Sabbathidee wird hiedurch herrliche Wirklichkeit. —- Als erster aus der Reihe der liberalen Rabbiner biete ich dem Iii zur Verwirklichung dieser Idee meine Mitarbeit an. Aber von der Jugend m u ß diese Arbeit ausgehen; denn der Jugend gehört die Zukunft; auf ihren Fluren irgendwo schlummert noch der Weltensabbat h. 'Möchte sich der Iii diese Arbeit nicht von anderen fortnehmen lassen, sondern schleunigst ans Werk gehen! Wer wagt, gewinnt!