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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 211

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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— 211 — Chanukka 1920, Verehrte Anwesende, liebe Kinder! Die Kämpfe und Siege der Makkabäer, zu deren Erinnerung das Chanukkafest gestiftet wurde, führen uns in eine Zeit, welche in vielen Punkten eine überraschende Ähnlichkeit mit der Gegenwart aufweist. Die Juden befanden sich damals in einer Umgebung, deren Kultur, eine weltliche Kultur von höchstem Glanz und blendender Schönheit, einen geradezu bezaubernden Einfluß auf sie übte, auf alle empfänglichen Gemüter üben mußte. Der griechische Geist mit seinen wunderbaren Schöpfungen auf dem Gebiete der Dichtkunst, der bildenden Künste, der Philosophie hatte auf seinem Siegeszug durch Asien auch das jüdische Volk in seinen Bannkreis gezogen. Mit Begeisterung erlernten sie die herrliche griechische Sprache, ließen sie den Reiz griechischer Poesie in Epos, Lyrik und Drama, den Tiefsinn griechischer Weisheit auf sich wirken. In Jerusalem erstandeu Palästren und Gymnasien, in deren Hallen die Jugend sich mit leidenschaftlichem Eifer den körperlichen Übungen hingab und für die Schönheit des menschlichen TCörpers im freien Spiel der Kräfte zum ersten Mal Verständnis erlangten. In Anlehnung an den Segen, welchen Noah über seine Söhne ausgesprochen hatte, wurde damals das Wort geprägt: „Die Schönheit Japhet's so'll in den Zelten Sem's wohnen." Allein : der Mensch wandelt nicht ungestraft unter Palmen, und so wissen Sie, daß jene griechische Kultur, als sie mit dem Judentum in Berührung kam, auf dessen ganz anders geartete, auf einer völlig verschiedenen Grundlage beruhende Weltanschauung auflösend und zersetzend wirkte. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß, wenn die D'inge ohne äußeren Eingriff ihren Weg gegangen wären, das Judentum diesen Einflüssen auf die Dauer wohl ebensowenig hätte mit Erfolg widerstehen können, wie dies später bei der jüdischen Philosophie in Alexandrien der Fall war. Es war also von einer höheren Warte aus betrachtet, ein Glück für das Judentum, daß es durch eine brutale Gewalt, welche diese Entwicklung zu beschleunigen, zu überstürzen suchte, zum Bewußtsein seiner selbst, zum Bewußtsein seiner unverlierbaren geistigen Schätze geführt wurde, in dem Gefühl der ihm . angetanen Vergewaltigung die Kraft zur Selbstbehauptung fand. So erwies sich auch hier jene dem Judentum entgegentretende Macht als ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse wiü und stets das Gute schafft.

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