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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. Seite 185

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 9 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 185 (sequence 21)
Language
German
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und gefördert worden. Unserer Zeit fehlt e s an einem großen w e i t s ch i c ht i g e n L eh r b u-ch der jüdischen Religion, in .dem die Grundprinzipien philosophisch und" historisch erläutert werden. Das erwähnte Buch von Herrn. Cohen zeigt uns den Weg, den wir einschlagen müssen. Es handelt sich also nicht um eine Summe von Artikeln und Artikelchen, in dem Theo*» logen und Laien ihre mehr oder weniger gehaltvollen Ausführungen zum Ausdruck bringen, es muß vielmehr die M a g n a Charta geschaffen werden, die für das liberale Judentum grundlegend ist. Grundlegung aber bedeutet niemals etwas anderes als die Ableitung aus den Gesetzen der Vernunft, worunter mankeineswegs einseitig den Verstand zu begreifen hat, sondern auch das Gefühl und den Willen. Da wird es sich zeigen, daß das liberale Judentum den Forderungen all dieser Bewußtseinsgesetze entspricht, und daß es in dieser Hinsicht von keiner anderen Religion und keiner anderen Weltanschauung überboten wird; wir können eben mit Erfolg den Prozeß vollziehen, den rnar* mit dem technischen Begriffe „vernunftgemäße Deduktion" bezeichnet. Diese Leistung setzt freilich die Erfüllung einer Forderung voraus, die bisher in liberalen Kreisen viel zu wenig betont wurde: Eine gesteigerte, allgemeine philosophische und historische Bildung; denn es ist klar, daß derjenige, der mit solchem Rüstzeug ausgestattet an die Interpretation der Quellen geht ganz andere Resultate erzielt, als jener Naiv- Gläubige, der kritiklos jede übernommene Tradition als unumstößliche Wahrheit betrachtet. Demi liberal sein heißt nichts anderes als kritisch sein und kritisch verhält sich nur derjenige, der an seinem Teile an der ständigen Neuerzeugung und Neuschöpfung mitarbeitet. Es handelt >ich also bei unserer Forderung nicht um eine abgeschlossene, katechismusartige Dogmatik, nicht um mechanisierend wirkende Richtlinien, sondern um die stetige Vertiefung des religiösen Bewußtseins, das für jede Zeit und für jeden Ort eine Erneuerung, eine Sichtung, eine ständige Idealisierung der ererbten, religiösen Gundbegriffe sein muß. So ist auch der Sinn jenes jeremijanischen Spruches zu deuten : In Zukunft wird keiner mehr den andern fragen: Welche religiösen Pflichten habe ich zu erfüllen? Sondern das vom Borne steter Erkenntnis gespeiste Bewußtsein ist mächtig genug, um diese Fragen aus eigener Kraft zu beantworten. Es ist selbstverständlich, daß nicht alle Vertreter des liberalen Gedankens für eine solch philosophische Begründung gleichmäßig empfänglich sind, und es ist auch nicht die Aufgabe^'edes liberalen Führers, dem Laien ein solches Buch

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