Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 8 (August 1921)
- Date
- 1921-08-01
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 156 — Sprüchen des Josua ben Sirach, oder wie man ihn für gewöhnlich kurz nennt Jesus Sirach, ist das hebräische Original, von dem einige Spuren im Talmud enthalten sind, bei einem glücklichen Funde in Cairo entdeckt worden. Mit den Apokryphen zusammen muß eine Anzahl von Schriften genannt werden, dieman für gewöhnlich mit einer anderen allgemeinen Bezeichnung benennt. Es sind dies Bücher, die als Verfasser irgendeine berühmte Persönlichkeit ~der Vergangenheit oder Gegenwart nennen. Sie sind also mit einer falschen Überschrift versehen und werden darum Pseudepigraphen genannt. Sie gehören aber in dieselbe Schriftgattung wie die Apokryphen, und wir wollen sie im folgenden mit diesen zusammen behandeln. Man kann unter diesen Schriften unterscheiden: geschichtliche, poetische, didaktische und apocalyptische. Von den geschichtlichen , Büchern wollen wir hier nennen die Bücher der Maccabäer, Judith, Tobith,, den Aristeas Brief. Der Inhalt der vier zuerst genannten Bücher ist leicht aus jeder Bibelausgabe, auch der Auerbach'schen Schul- und Hausbibel, festzustellen. Wir wollen uns deshalb damit begnügen, darauf hinzuweisen, daß die Bücher Judith ' und Tobith wohl Trostbücher sein sollen, die in schwerer Zeit die Juden aufrichten sollten. Der Aristeas Brief ist angeblich von 'einem hohen Beamten aus der Zeit der Ptolomäer geschrieben und enthält einen Bericht über die Übersetzung der Bibel ins Griechische durch 70 Gelehrte und die Gespräche dieser Gelehrten mit den Königen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Schrift zum Zwecke der Mission geschrieben ist. Denn die Juden haben damals, d. h. in den letzten beiden vorchristlichen und im ersten nachchristlichen Jahrhundert, eine lebhafte Mission unter den Heiden betrieben, die auch von gutem Erfolg begleitet gewesen ist. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß andere Apokryphen zu ähnlichen Zwecken ins Griechische übersetzt und verbreitet worden sind. Man könnte sich z. B. vorstellen, daß die lehrhaften Schriften, etwa die Weisheit Salomos oder die Sprüche des Jesus Sirach sehr wohl einen tiefen Eindruck machen konnten, soweit sie ethischen Erwägungen zugänglich waren. Gerade diese lehrhaften Schriften waren übrigens erfüllt mit griechischen philosophischen Ideen, so daß die Leser leicht - durch die bekannten Lehren zu der neuen hohen jüdischen n Lebensauffassung geführt wurden. Von den poetischen Schriften wollen wir hier insbesondere die Psalmen Salomps nennen, die zu einem sehr großen Teil in poetischer religiöser Beziehung auf der Höhe der in die Bibel aufgenommenen Psalmen stehen.