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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-08-01 · Heft 8 (August 1921) · p. Seite 150

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 8 (August 1921)
Date
1921-08-01
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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— 150 — wir erkennen das Streben der anderen Religionen an und reichen ihnen die Hand zu gemeinsamer Arbeit „an den großen Aufgaben humaner Ethik und den Ideen des Rechts und der Gerechtigkeit." Mehr Charakter! Es kommt mir vor, als wenn ich auf einem Berge stünde und das Land übersähe: ich befinde mich hier im fernsten Winkel unseres Vaterlandes und gewahre doch, wie es in unseren Iiis aussieht. Die Zahlen wachsen, aber die Qualität nicht; die Intelligenz mehrt sich, aber die Charaktere tun es nicht. Sünde wär's, das stillschweigend zu dulden; Pflicht ist's, zu mahnen und zu warnen, denn viel, ja alles steht auf dem Spiele: die Zukunft unserer Bewegung: der Bestand. Was geht vor? Kurzerhand: Unfrieden, Abfall. Und das bewirkten die Zionisten oder besser die ohne richtige Kenntnis vom Wesen des Zionismus agitierenden'Mitläufer des Zionismus, von denen einer, von mir danach befragt, zur Antwort gab: „wenn so viel bedeutende Männer Zionisten sind, dann muß doch was daran sein!" Und dann gehen solche Zionisten hausieren, fangen die urteilslose Jugend ein und entziehen sie einer Bewegung, die nicht wie sie eine nationale, sondern eine reinreligiöse ist und nichts anderes sein will und sein kann, wenn sie sich nicht selbst aufgeben will. Dem ist nur dadurch zu steuern, daß wir unsere noch nicht im Charakter gefestigte Jugend mehr an die Leine nehmen, daß wir einen erzieherischen Einfluß auf sie gewinnen. Gewiß, schwer ist die Aufgabe, der wir uns unterziehen, denn der lange Krieg hat innerlich viel Moral vernichtet und hat die Kleinen in das Getriebe der Großen einen zu weiten Blick werfen lassen, so daß der Materialismus seine verheerende Wirkung bis in ihre Reihen hat üben können. Ansichten werden gewechselt wie die Wäsche; ein Wort gilt nicht mehr heilig; nur der Vorteil regiert die Stunde, und sei es nur der Gewinn eines vergnüg» liehen Abends. Und damit fangen die Zionisten die genußsüchtige Jugend, die mit kühnem Entschlüsse über die Barriere springt. Und trotz der Schwere der Aufgabe gilt es jetzt, sie zu lösen. Wir müssen der Jugend klar machen, was das heißt „Mensch sein". Nicht die Intelligenz allein tut's, wir haben ja daran keinen Mangel, sondern der Charakter macht den Menschen erst vollwertig. Zeigen wir der Jugend neben der Erscheinung jüdischen Wissens, jüdische Geschichte und Literatur» die Großen ina Judentum, deren Größe sich im Charakter offenbart und die darum als ewige Leuchten und Zierden der Menschheit Geltung behalten. Erziehen

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